Value Factor Investing
Definition
Value Factor Investing bevorzugt systematisch günstig bewertete Aktien – gemessen an Kennzahlen wie KBV, KGV oder EV/EBITDA. Der Value-Faktor (HML) gehört zu den am längsten dokumentierten Faktorprämien und geht auf Graham/Dodd (1934) und Fama/French (1992) zurück.
Was ist Value?
Value-Aktien sind Unternehmen, deren Marktbewertung im Vergleich zu Fundamentalkennzahlen niedrig ist. Klassische Metriken:
- Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV): Preis/Buchwert des Eigenkapitals. KBV < 1 = klassischer Value
- Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Preis/Jahresgewinn. KGV < 12 = günstig vs. Marktdurchschnitt ca. 16-18
- EV/EBITDA: Enterprise Value / EBITDA. Normiert Kapitalstruktur-Unterschiede
- Free Cash Flow Yield: FCF / Marktkapitalisierung
Historische Prämie
Fama und French dokumentierten für US-Aktien (1927-2023) eine HML-Prämie von ca. 4,5 % p.a. Für europäische Märkte ca. 3-4 % p.a. Allerdings war die Prämie sehr ungleichmäßig verteilt: Der Zeitraum 2007-2020 war verheerend für Value – der Russell 1000 Value Index underperformte den Russell 1000 Growth um kumuliert ca. 100 Prozentpunkte.
Value-Trap-Risiko
Nicht alle günstigen Aktien sind gute Investments. Eine 'Value Trap' liegt vor, wenn ein Unternehmen strukturell im Niedergang ist – billig bleibt, aber nie steigt. Kombination mit Qualitätskennzahlen (ROIC > 10 %, Verschuldung moderat) reduziert dieses Risiko.
Value-Comeback nach 2022
Die Zinswende 2022 leitete eine Rückkehr des Value-Faktors ein. Energieaktien, Banken und Industriewerte – typische Value-Sektoren – liefen dem Gesamtmarkt davon. Der MSCI World Value erzielte 2022 ca. -5 % vs. -18 % für den MSCI World Growth.
Produkte in Deutschland
iShares MSCI World Value ETF (A0YEDL), TER 0,30 %. Invesco MSCI World Value ETF, Vanguard Global Value ETF. Alle replizieren Value-Indizes mit Gewichtung nach fundamentalen Bewertungskennzahlen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.