Unternehmensübernahme: Feindlich, freundlich und alles dazwischen
Definition
Eine Unternehmensübernahme bezeichnet den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an einem Unternehmen durch einen Käufer — entweder durch einvernehmliches Angebot an Aktionäre (freundliche Übernahme) oder gegen den Willen des Vorstands (feindliche Übernahme).
Unternehmensübernahme: Wie Konzerne Konzerne schlucken
Eine Unternehmensübernahme ist eines der dramatischsten Ereignisse an der Börse — sie verändert Machtverhältnisse, bewegt Kurse und schreibt Wirtschaftsgeschichte. Doch was genau passiert, wenn ein Unternehmen ein anderes übernehmen will?
Freundliche vs. feindliche Übernahme
Bei einer freundlichen Übernahme einigen sich Käufer und Vorstand des Zielunternehmens vorab auf die Konditionen. Das Management empfiehlt den Aktionären die Annahme des Angebots. Anders bei der feindlichen Übernahme: Hier wendet sich der Bieter direkt an die Aktionäre — über den Kopf des Vorstands hinweg. Dieser Fall ist seltener, aber spektakulärer.
Ablauf eines Übernahmegebots
In Deutschland regelt das Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) den Ablauf. Wer mehr als 30 Prozent der Stimmrechte an einer börsennotierten Gesellschaft erwirbt, muss den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot unterbreiten. Der Bieter veröffentlicht eine Angebotsunterlage, in der Preis, Bedingungen und Fristen genannt werden. Die BaFin überwacht das gesamte Verfahren.
Die Übernahmeprämie
Käufer zahlen in der Regel einen Aufschlag auf den aktuellen Börsenkurs — die sogenannte Übernahmeprämie. Sie liegt typischerweise zwischen 20 und 40 Prozent und soll Aktionäre zur Andienung ihrer Papiere bewegen. Je höher die Prämie, desto teurer wird die Übernahme — und desto schwieriger die Refinanzierung.
Due Diligence und Synergien
Vor dem offiziellen Angebot prüft der Käufer das Zielunternehmen gründlich: Finanzen, Risiken, rechtliche Verbindlichkeiten — die sogenannte Due Diligence. Der wirtschaftliche Rechtfertigungsgrund für den Aufpreis sind meist erhoffte Synergien: Kosteneinsparungen durch gemeinsame IT, doppelte Standorte oder gebündelte Einkaufsmacht.
Bekannte Beispiele
Die Porsche-VW-Übernahme (2008/2009) gehört zu den spektakulärsten der deutschen Börsengeschichte — und endete mit einem Rollentausch: Porsche wollte VW übernehmen, scheiterte an der Finanzierung und wurde selbst Teil des Konzerns. Die Linde-Praxair-Fusion (2018) schuf den weltgrößten Industriegasehersteller — nach einem jahrelangen, international abgestimmten Prozess.
Fazit
Übernahmen bieten Aktionären des Zielunternehmens oft attraktive Prämien — kurzfristig. Ob der Käufer langfristig profitiert, hängt von Integrationserfolg und Synergierealität ab.
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Gemäß § 34 WpHG weisen wir darauf hin, dass Investitionen in Wertpapiere mit Risiken verbunden sind.