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Sum-of-the-Parts: Konglomerate richtig bewerten

Definition

Die Sum-of-the-Parts-Bewertung (SOTP) bewertet einen Mischkonzern, indem jedes Geschäftssegment separat bewertet und dann summiert wird. Die Differenz zum aktuellen Börsenwert zeigt den sogenannten Konglomeratsabschlag.

Was ist Sum-of-the-Parts?

Konglomerate wie Siemens, Berkshire Hathaway oder früher Daimler sind mit einer einzigen Kennzahl kaum fair zu bewerten. Verschiedene Segmente haben unterschiedliche Wachstumsraten, Margen und Risikoprofile — und werden am Markt mit unterschiedlichen Multiplikatoren gehandelt.

Die Sum-of-the-Parts-Methode (SOTP) löst dieses Problem: Jedes Segment wird so bewertet, als wäre es ein eigenständiges Unternehmen, dann werden die Einzelwerte addiert.

Vorgehensweise Schritt für Schritt

  1. Segmentidentifikation: Welche Geschäftsbereiche sind klar abgrenzbar?
  2. Peer-Multiple ermitteln: Welche börsennotierten Vergleichsunternehmen gibt es?
  3. Segmentbewertung: EV/EBITDA oder EV/EBIT × Segment-EBITDA
  4. Konzernkosten abziehen: Zentrale Verwaltungskosten separat kapitalisieren
  5. Nettoverschuldung abziehen: Konzernweite Schulden vom Summen-EV subtrahieren
  6. Equity Value berechnen: Ergibt den fairen Aktienwert

Rechenbeispiel: Thyssenkrupp (vereinfacht)

SegmentEBITDA (Mrd. €)Peer-MultipleSegment-EV (Mrd. €)
Steel Europe0,84,0×3,2
Automotive Technology1,16,5×7,2
Industrial Components0,68,0×4,8
Marine Systems0,412,0×4,8
Summe Segment-EV20,0
− Konzernkosten (kapitalisiert)−2,5
− Nettoverschuldung−5,8
Equity Value11,7 Mrd. €

Liegt der aktuelle Börsenwert bei 8 Mrd. €, besteht ein impliziter Konglomeratsabschlag von 32 %.

Der Konglomeratsabschlag

Studien zeigen, dass Konglomerate typischerweise mit einem Abschlag von 10–20 % gegenüber ihrem SOTP-Wert handeln. Gründe:

  • Kapitalallokation: Investoren zweifeln an der Fähigkeit, Kapital optimal zu verteilen
  • Komplexität: Höherer Analyseaufwand → weniger Anleger
  • Cross-Subsidies: Verlustbringer werden durch Gewinner quersubventioniert
  • Management-Fokus: Diversifizierte Führung kann nicht überall Branchenkenntnis haben

Wenn der Abschlag groß genug ist, entsteht Aktivistendruck auf Aufspaltung — wie bei Siemens (Abspaltung von Siemens Energy und Healthineers) oder General Electric.

Wann SOTP besonders sinnvoll ist

  • Mischkonzerne mit 3+ nicht verwandten Segmenten
  • Unternehmen mit einer wertvollen, nicht kotierten Beteiligung
  • Bewertung von Holdings mit börsennotierten Tochtergesellschaften
  • Pre-Spin-off-Analyse: Ist die Aufspaltung wertschöpfend?

Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Gemäß §34 WpHG wird darauf hingewiesen, dass der Autor Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten kann.

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