Pari Passu (Gleichrangigkeit)
Definition
Pari Passu (lateinisch: im gleichen Schritt) bezeichnet die gleichrangige Behandlung aller Gläubiger einer bestimmten Schuldenklasse. Keine Forderung dieser Klasse hat Vorrang vor einer anderen – alle werden anteilig und gleichzeitig bedient.
Definition und Ursprung
Der Begriff „Pari Passu" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „mit gleichem Schritt" oder „auf gleicher Stufe". Im Anleihe- und Kreditrecht bezeichnet er das Prinzip der Gleichrangigkeit: Alle Gläubiger innerhalb derselben Schuldenklasse haben identische Rechte und werden bei Zahlungsengpässen oder in der Insolvenz proportional zu ihren Forderungen behandelt.
Pari Passu in der Anleihedokumentation
Eine typische Pari-Passu-Klausel in einem Anleiheprospekt lautet sinngemäß: „Die Anleihe begründet unbesicherte, nicht nachrangige Verbindlichkeiten des Emittenten, die pari passu mit allen anderen nicht besicherten, nicht nachrangigen Verbindlichkeiten des Emittenten rangieren."
Diese Formulierung stellt sicher, dass der Emittent die Anleihe nicht gegenüber anderen unbesicherten Gläubigern bevorzugt behandelt.
Rangordnung im Insolvenzfall (Kapitalstruktur)
In der Praxis existieren mehrere Rangklassen. Von vorrangig zu nachrangig:
- Besicherte Gläubiger (Senior Secured): Bankdarlehen mit Sicherheiten
- Unbesicherte vorrangige Gläubiger (Senior Unsecured): Standard-Unternehmensanleihen – untereinander pari passu
- Nachrangige Gläubiger (Subordinated / Junior): High-Yield-Anleihen nachrangig
- Hybridkapital: Nachranganleihen, CoCo-Bonds
- Eigenkapital: Aktionäre – letzte in der Rangfolge
Alle Gläubiger innerhalb einer Klasse sind pari passu zueinander.
Das argentinische Pari-Passu-Urteil
International bekannt wurde der Begriff durch den Argentinien-Staatsanleihe-Streit (2012–2016). US-Hedge-Fonds (sog. Holdout-Gläubiger) argumentierten erfolgreich, dass Argentinien durch Zahlungen an umgeschuldete Gläubiger gegen die Pari-Passu-Klausel verstoße, solange es Holdout-Gläubiger nicht bediente. Das Urteil des US-Richters Thomas Griesa hatte weitreichende Folgen für den Sovereign-Debt-Markt.
Bedeutung für Investoren
Für Anleiheinvestoren ist die Pari-Passu-Klausel eine Grundvoraussetzung für faire Behandlung. Sie verhindert, dass ein Emittent in der Krise einzelne Gläubiger bevorzugt und andere leer ausgehen lässt. In Restrukturierungsverhandlungen bildet sie die Basis für eine geordnete Gläubigergleichbehandlung.
Abgrenzung zu Negative Pledge
Während Pari Passu die Gleichrangigkeit bestehender Forderungen sichert, verhindert die Negative-Pledge-Klausel, dass ein Emittent anderen Gläubigern nachträglich besicherte Verbindlichkeiten einräumt und damit die bisherigen unbesicherten Gläubiger strukturell nachrangig stellt.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. § 34 WpHG.