Impairment Test nach IAS 36
Definition
Der Impairment Test nach IAS 36 prüft, ob der Buchwert eines Vermögenswerts seinen erzielbaren Betrag übersteigt — und erzwingt bei Überschreitung eine Abschreibung.
Was ist ein Impairment Test?
Nach IAS 36 (Wertminderung von Vermögenswerten) müssen Unternehmen mindestens jährlich prüfen, ob Hinweise auf Wertminderung vorliegen (Triggering Events). Für Goodwill und immaterielle Vermögenswerte mit unbegrenzter Nutzungsdauer ist ein jährlicher Test sogar ohne Trigger Pflicht.
Methodik
Der erzielbare Betrag ist der höhere aus:
- Beizulegender Zeitwert abzüglich Verkaufskosten (Fair Value Less Costs to Sell)
- Nutzungswert (Value in Use) — Barwert zukünftiger Cashflows
Liegt der Buchwert über dem erzielbaren Betrag, wird auf letzteren abgeschrieben.
Goodwill-Impairment in der Praxis
Große Goodwill-Abschreibungen erschüttern regelmäßig Bilanzen. Deutsche Telekom musste 2001–2002 Goodwill-Abschreibungen von über 30 Mrd. Euro nach überteuerten Übernahmen aus der Telekomblase verbuchen. Wirecard-Prüfer hätten durch sorgfältigen Impairment-Test früher Verdacht schöpfen müssen.
Triggering Events
Marktkapitalisierung unter Buchwert, erhebliche Verschlechterung des Marktumfelds, technologischer Wandel, Managementwechsel mit Strategieänderung, steigende Kapitalkosten (WACC-Erhöhung durch Zinsanstieg).
Auswirkung auf Anleger
Impairments sind nicht-cashwirksam — sie reduzieren den Gewinn, nicht den Cashflow. Dennoch signalisieren sie, dass vergangene Investitionen zu teuer waren und die ursprüngliche Wertschöpfungserwartung nicht erfüllt wurde.
Sensitivitätsanalyse im Impairment Test
Unternehmen müssen im Anhang offenlegen, wie sensitiv der Nutzungswert gegenüber Veränderungen zentraler Annahmen ist: Diskontierungszins (WACC), Wachstumsrate, Rohstoffpreise. Ein Goodwill-Posten, der bei einem WACC-Anstieg von 0,5 Prozentpunkten bereits impairment-gefährdet ist, stellt ein erhebliches Bilanzrisiko dar — besonders in Zinsanstiegsperioden wie 2022/23.
Goodwill als Risikofaktor
DAX-Unternehmen weisen teilweise Goodwill-Positionen in Milliardenhöhe aus. BASF (Chemetall-Übernahme), Bayer (Monsanto-Übernahme für 63 Mrd. USD) tragen erhebliche Impairment-Risiken. Anleger sollten Goodwill stets in Relation zum Eigenkapital und zur Ertragskraft der übernommenen Einheit bewerten.
Dieser Eintrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Bitte konsultieren Sie bei Anlageentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater.