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Aktiva und Passiva der Bilanz

Definition

Aktiva bezeichnet die Vermögensseite einer Bilanz (was ein Unternehmen besitzt), Passiva die Kapitalseite (wie dieses Vermögen finanziert wird) — beide Seiten sind stets gleich groß.

Das Grundprinzip der doppelten Buchführung

Jede Bilanz ist in zwei gleich große Seiten aufgeteilt: Die linke Seite (Aktiva) zeigt das Vermögen, die rechte Seite (Passiva) zeigt, wie dieses Vermögen finanziert wurde. Die Bilanzsumme beider Seiten ist immer identisch — daher der Begriff 'Bilanz'. Diese Struktur folgt dem Grundprinzip der doppelten Buchführung: Jeder Vermögenswert muss durch eine Finanzierungsquelle gedeckt sein.

Aktiva: Die Vermögensseite

Anlagevermögen (langfristig): Immobilien, Maschinen, immaterielle Werte (Patente, Goodwill), Beteiligungen. Bei Volkswagen z. B. Produktionsanlagen im Wert von über 50 Mrd. Euro. Das Anlagevermögen wird über die Nutzungsdauer abgeschrieben.

Umlaufvermögen (kurzfristig): Vorräte, Forderungen aus Lieferungen, Wertpapiere, liquide Mittel. Zeigt, wie schnell ein Unternehmen Geld verfügbar hat. Das Verhältnis von Umlaufvermögen zu kurzfristigen Verbindlichkeiten ergibt die Current Ratio.

Passiva: Die Kapitalseite

Eigenkapital: Kapitaleinlagen der Aktionäre plus einbehaltene Gewinne. Puffer gegen Verluste — je höher, desto stabiler das Unternehmen. Eigenkapital haftet zuerst bei Verlusten und ist daher teurer als Fremdkapital.

Fremdkapital: Langfristige Schulden (Anleihen, Bankdarlehen) und kurzfristige Verbindlichkeiten (Lieferantenverbindlichkeiten, kurzfristige Kredite). Fremdkapital muss zurückgezahlt werden und verursacht Zinszahlungen. Es ist steuerlich abzugsfähig, was den sogenannten Tax Shield erzeugt.

Bilanzkennzahlen aus Aktiva und Passiva

Aus der Gegenüberstellung von Aktiva und Passiva lassen sich wichtige Kennzahlen ableiten: Die Eigenkapitalquote (Eigenkapital/Bilanzsumme) misst Stabilität, der Verschuldungsgrad (Fremdkapital/Eigenkapital) den Hebel, das Working Capital (Umlaufvermögen minus kurzfristige Verbindlichkeiten) die operative Liquidität.

Was Anleger prüfen sollten

Hoher Goodwill-Anteil auf der Aktivseite (z. B. nach Übernahmen) birgt Abschreibungsrisiko. Eine hohe kurzfristige Verschuldung auf der Passivseite kann Liquiditätsprobleme signalisieren. Siemens Energy hatte 2022 erhebliche Vorräte- und Garantierückstellungsprobleme, die sich klar in der Bilanzstruktur zeigten.


Dieser Eintrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Bitte konsultieren Sie bei Anlageentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater.

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