WorldCom-Bilanzbetrug 2002
Definition
WorldCom begann 2002 den bis dahin größten Bilanzbetrug der US-Geschichte: Über 11 Milliarden USD Kosten wurden als Investitionen umgebucht -- der Telekomriese meldete Insolvenz mit 104 Milliarden USD Schulden an.
WorldCom -- Aufstieg zum Telekomriesen
WorldCom war in den 1990er Jahren durch aggressive Übernahmen -- darunter MCI Communications für 37 Milliarden USD (1997) -- zum zweitgrößten Telekommunikationskonzern der USA aufgestiegen. CEO Bernie Ebbers galt als Visionär. Die Aktie stieg bis 1999 auf fast 65 USD. Doch mit dem Ende der Dotcom-Blase wurde das übernahmegetriebene Wachstumsmodell unhaltbar.
Der Betrug
Der Betrug war technisch einfach, aber monumental im Ausmaß: Statt laufende Netzwerkkosten (Leitungsmieten, Operating Expenses) korrekt als Aufwand zu verbuchen, aktivierte WorldCom diese Kosten als Investitionen (Capital Expenditures). Dadurch verschwanden Ausgaben aus der Gewinn- und Verlustrechnung und tauchten stattdessen in der Bilanz als Vermögenswerte auf. Über mehrere Jahre belief sich der falsch verbuchte Betrag auf 11 Milliarden USD.
Aufdeckung und Insolvenz
Interne Revisoren -- allen voran Cynthia Cooper, die später als Whistleblower zur Person of the Year des Time Magazins gewählt wurde -- deckten den Betrug im Sommer 2002 auf. Am 25. Juni 2002 gestand WorldCom die Buchungsfehler ein. Am 21. Juli 2002 meldete WorldCom Insolvenz an: mit 104 Milliarden USD Bilanzsumme übertraf dies sogar den Enron-Bankrott.
Strafen
CEO Bernie Ebbers wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt. CFO Scott Sullivan erhielt 5 Jahre. WorldCom wurde als MCI neu gestartet und 2006 von Verizon übernommen.
Regulatorische Folgen
Zusammen mit Enron trieb WorldCom die Verabschiedung des Sarbanes-Oxley Act (SOX) 2002 voran. SOX verpflichtet CEO und CFO börsennotierter Unternehmen, persönlich die Richtigkeit der Finanzzahlen zu attestieren -- bei Strafandrohung.
Dieser Eintrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Bitte konsultieren Sie bei Anlageentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater.