Zum Hauptinhalt springen
Zurück zum Lexikon

Enron-Skandal -- Bilanzbetrug der Superlative

Definition

Der Enron-Skandal 2001 war einer der größten Bilanzbetrugsfälle der Geschichte: Der US-Energiekonzern versteckte Milliarden-Schulden in Zweckgesellschaften und täuschte Anleger jahrelang.

Enron -- Vom Energieriesen zur Fassade

Enron galt in den 1990er Jahren als Vorzeigeunternehmen der New Economy. Das Fortune-Magazin kürte Enron sechs Jahre in Folge zum 'America's Most Innovative Company'. Der Konzern war zum größten Energiehändler der USA aufgestiegen und expandierte aggressiv in Strom, Glasfaser und sogar Wetter-Derivate. Die Aktie stieg bis Januar 2001 auf 90 USD -- eine Marktkapitalisierung von 70 Milliarden USD.

Das Betrugs-System

Die eigentliche Geschäftsstruktur war eine gigantische Täuschung. CFO Andrew Fastow konstruierte ein System von Hunderten Off-Balance-Sheet-Zweckgesellschaften (Special Purpose Entities, SPEs), die Enrons Schulden versteckten und fiktive Gewinne auswiesen. Das Buchführungsprinzip Mark-to-Market wurde missbraucht: Künftige Gewinne aus langfristigen Verträgen wurden sofort als Erlös gebucht, Verluste verschleiert. Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen -- einer der Big Five -- zertifizierte die Bilanzen und vernichtete später Beweismaterial.

Zusammenbruch 2001

Im Oktober 2001 meldete Enron einen Quartalsverlust von 618 Millionen USD und musste das Eigenkapital um 1,2 Milliarden USD korrigieren. Im November folgte ein weiterer Fehlerausweis: Die Gewinne der Jahre 1997-2001 wurden um 586 Millionen USD nach unten korrigiert. Am 2. Dezember 2001 meldete Enron Insolvenz an -- damals der größte Bankrott der US-Geschichte mit 63 Milliarden USD Bilanzsumme.

Strafen und Folgen

CEO Jeffrey Skilling wurde zu 24 Jahren Haft verurteilt (später auf 14 Jahre reduziert). CFO Fastow erhielt 6 Jahre. CEO Kenneth Lay starb 2006 vor seiner Verurteilung. Arthur Andersen verlor seine Zulassung als Wirtschaftsprüfer -- das Ende einer der renommiertesten Firmen der Welt. Als Reaktion verabschiedete der US-Kongress 2002 den Sarbanes-Oxley Act (SOX), der die Unternehmensberichterstattung und Wirtschaftsprüfer-Unabhängigkeit drastisch verschärfte.


Dieser Eintrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Bitte konsultieren Sie bei Anlageentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater.

Enron-SkandalBilanzbetrugOff-Balance-SheetSarbanes-OxleyArthur AndersenJeffrey SkillingMark-to-Market