Zum Hauptinhalt springen
Zurück zum Lexikon

WACC: Gewichtete Kapitalkosten als Diskontierungssatz

Definition

Der WACC (Weighted Average Cost of Capital) ist der gewichtete Durchschnitt aus Eigenkapital- und Fremdkapitalkosten eines Unternehmens — er dient als Diskontierungssatz im DCF-Modell und zeigt, welche Mindestrendite ein Unternehmen erwirtschaften muss, um seinen Kapitalgebern gerecht zu werden.

Definition

Der WACC (Weighted Average Cost of Capital) — auf Deutsch: gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten — ist der Zinssatz, den ein Unternehmen im Durchschnitt für sein Kapital zahlen muss. Er kombiniert die Kosten des Eigenkapitals (ke) und die Kosten des Fremdkapitals (kd) nach ihren jeweiligen Anteilen an der Gesamtfinanzierung.

Formel

WACC = (EK / (EK + FK)) × ke + (FK / (EK + FK)) × kd × (1 − t)
  • EK = Marktwert des Eigenkapitals
  • FK = Marktwert des Fremdkapitals (zinstragendes)
  • ke = Eigenkapitalkosten (geschätzt via CAPM)
  • kd = Fremdkapitalkosten (Zinssatz vor Steuern)
  • t = Körperschaftsteuersatz

Eigenkapitalkosten via CAPM

Die Eigenkapitalkosten werden üblicherweise mit dem Capital Asset Pricing Model (CAPM) berechnet:

ke = rf + β × (rm − rf)
  • rf = risikoloser Zinssatz (z. B. 10-jährige Bundesanleihe)
  • β = Beta des Unternehmens (Marktrisiko)
  • (rm − rf) = Marktrisikoprämie (historisch ca. 4–6 % für Deutschland)

Tax Shield: Fremdkapital hat einen Steuervorteil

Zinszahlungen auf Fremdkapital sind steuerlich abzugsfähig — das sogenannte Tax Shield. Deshalb werden die Fremdkapitalkosten im WACC mit (1 − t) multipliziert. Bei einem Steuersatz von 30 % und einem Kreditzins von 4 % betragen die effektiven Fremdkapitalkosten nur 2,8 %.

Kapitalstruktur und Einfluss auf den WACC

Ein höherer Fremdkapitalanteil senkt den WACC zunächst (wegen des Tax Shield), erhöht aber das Insolvenzrisiko und damit die Eigenkapitalkosten (Beta steigt). Das optimale Verhältnis ist unternehmens- und branchenspezifisch.

Typische Branchenspannen

BrancheWACC-Spanne
Technologie / Software8–12 %
Pharma / Life Sciences7–10 %
Industrie / Maschinenbau7–9 %
Versorger / Infrastruktur5–7 %
Finanzdienstleister8–12 %

Praxisbeispiel

Ein DAX-Konzern hat folgende Kapitalstruktur: Eigenkapital (Marktwert) 8 Mrd. €, Nettoverschuldung 2 Mrd. €. Die Eigenkapitalkosten via CAPM betragen 9 %, der Kreditzins liegt bei 3,5 %, der Steuersatz bei 30 %.

  • EK-Anteil: 80 % × 9 % = 7,2 %
  • FK-Anteil: 20 % × 3,5 % × 0,7 = 0,49 %
  • WACC = 7,69 %

Im DCF-Modell werden alle zukünftigen Free Cashflows mit diesem Satz diskontiert. Je höher der WACC, desto niedriger der errechnete Unternehmenswert.

Verwandte Begriffe


Dieser Eintrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Bitte konsultieren Sie bei Anlageentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater.

WACCKapitalkostenDCFDiskontierungssatzCAPM