Vorzugsaktie
Definition
Die Vorzugsaktie ist eine Aktiengattung ohne Stimmrecht, die dem Inhaber im Gegenzug bevorzugte Rechte bei der Gewinnausschüttung — meist eine höhere oder garantierte Dividende — einräumt.
Was ist eine Vorzugsaktie?
Die Vorzugsaktie (englisch: preferred share) ist eine besondere Aktiengattung, die dem Inhaber im Vergleich zur Stammaktie bevorzugte Rechte bei der Gewinnverteilung einräumt – im Gegenzug verzichtet der Halter in der Regel auf das Stimmrecht in der Hauptversammlung.
Merkmale der Vorzugsaktie
Vorzugsdividende: Das Kernprivileg. Vorzugsaktionäre erhalten ihre festgelegte Dividende vorrangig vor Stammaktionären ausgezahlt. Häufig ist ein fester Mindestbetrag je Aktie in der Satzung verankert – z. B. 0,13 € mehr als die Stammaktie.
Kumulatives Nachzahlungsrecht: Fällt die Dividende in einem Geschäftsjahr aus (etwa wegen eines Verlustes), haben Vorzugsaktionäre typischerweise Anspruch auf Nachzahlung in den Folgejahren, bevor Stammaktionäre bedient werden.
Kein Stimmrecht (Regelfall): Dafür, dass Vorzugsaktionäre auf das Stimmrecht verzichten, erhalten sie die Dividendenprivilegien. In Deutschland ist das Stimmrecht bei Vorzugsaktien gemäß § 139 AktG ausgeschlossen – außer die Vorzugsdividende wird nicht gezahlt, dann lebt es vorübergehend wieder auf.
Praxisbeispiel: BMW AG
Die BMW AG (WKN: 519003 für Stammaktien, WKN: 519004 für Vorzugsaktien) ist ein klassisches deutsches Beispiel. BMW-Vorzugsaktionäre erhalten eine um 0,02 € je Aktie höhere Dividende als Stammaktionäre. Da sie kein Stimmrecht besitzen, werden sie auf der Hauptversammlung nicht zu Entscheidungen über die strategische Ausrichtung des Konzerns gehört.
Kursabschlag bei Vorzugsaktien
In der Praxis handeln Vorzugsaktien oft mit einem Abschlag (Discount) gegenüber der Stammaktie – typischerweise 5–15 %. Begründung: Das fehlende Stimmrecht wird vom Markt als Nachteil bewertet, insbesondere in Übernahmesituationen, wo Stimmrechte einen Prämienaufschlag erzielen.
Kurs-Abstand = (Stammaktie – Vorzugsaktie) / Stammaktie × 100 %
Schrumpft dieser Abstand auf nahe null oder dreht er ins Positive, kann das ein Signal sein, dass ein Übernahmeangebot erwartet wird.
Vorzugsaktie im DAX-Kontext
Bei der DAX-Indexmitgliedschaft werden Stamm- und Vorzugsaktien getrennt behandelt. Volkswagen etwa hat sowohl VW-Stammaktien (WKN: 766400) als auch VW-Vorzugsaktien (WKN: 766403) – historisch waren Vorzugsaktien die liquidere Gattung und daher die DAX-Komponente.
Fazit
Vorzugsaktien sind ein attraktives Instrument für einkommensorientierte Anleger, die eine verlässlichere Dividende schätzen und auf direkten Einfluss in der Hauptversammlung verzichten können. Für Anleger mit Kontrollambitionen – etwa aktivistische Fonds – sind sie hingegen weniger geeignet.
Dieser Eintrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar.