Status-quo-Verzerrung — Status Quo Bias
Definition
Status Quo Bias beschreibt die Tendenz, Veränderungen gegenüber dem aktuellen Zustand zu vermeiden — an der Börse führt dies zu trägen Portfolios, verspätetem Rebalancing und dem Festhalten an suboptimalen Strategien.
Definition
Status Quo Bias wurde von William Samuelson und Richard Zeckhauser 1988 systematisch beschrieben. Menschen bevorzugen den aktuellen Zustand gegenüber Alternativen, selbst wenn eine Veränderung rational vorteilhafter wäre. Jede Abweichung vom Status quo erscheint als potenzieller Verlust.
Ausprägungen im Portfoliomanagement
Anleger belassen Depots jahrelang unverändert, auch wenn Marktveränderungen ein Rebalancing nahelegen. Rentner halten zu lange zu viele Aktien, weil der Umbau in sicherere Anlagen Aufwand und (empfundenen) Verlust bedeutet. Fondssparer wechseln nicht zu günstigeren ETFs, obwohl die Überlegenheit belegt ist.
Default-Effekt als Sonderfall
Eine mächtige Form: Menschen wählen die Standardoption (Default). Studien zeigen, dass die Opt-in vs. Opt-out-Regelung bei betrieblicher Altersvorsorge die Teilnahmequote von 40 % auf 90 % erhöht — Richard Thaler und Cass Sunstein nutzen diesen Effekt für ihr Nudging-Konzept.
Verbindung zur Regulierung
Finanzregulierungen wie MiFID II und das Betriebsrentengesetz nutzen den Status-quo-Bias gezielt für bessere Outcomes: Automatische Einschreibung, Lifecycle-Fonds als Default.
Verwandte Begriffe
- Endowment Effect
- Regret Aversion
- Mental Accounting
Dieser Eintrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Bitte konsultieren Sie bei Anlageentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater.