Sensitivitätsanalyse im DCF-Modell
Definition
Die Sensitivitätsanalyse im DCF-Modell zeigt, wie stark der berechnete Unternehmenswert auf Änderungen der wichtigsten Annahmen reagiert. Sie ist unverzichtbar, um die Robustheit einer Bewertung zu beurteilen.
Warum Sensitivitätsanalyse?
Kein DCF-Modell ist präzise — es basiert auf Schätzungen. Die Sensitivitätsanalyse macht die Unsicherheit transparent: Sie beantwortet, welche Annahmen den Unternehmenswert am stärksten treiben und wie groß die Bewertungsspanne realistischerweise ist.
Die zwei-dimensionale Sensitivitätstabelle
Die Standard-Darstellung ist eine Tornado-Matrix mit zwei Variablen — typisch WACC und ewige Wachstumsrate:
Beispiel: Enterprise Value in Mrd. € (Basisfall: WACC 9 %, g 2,5 %)
| g = 1,5 % | g = 2,0 % | g = 2,5 % | g = 3,0 % | g = 3,5 % | |
|---|---|---|---|---|---|
| WACC 7,5 % | 98,2 | 106,8 | 117,5 | 131,2 | 149,8 |
| WACC 8,0 % | 87,4 | 94,3 | 102,6 | 113,0 | 126,4 |
| WACC 9,0 % | 72,1 | 77,0 | 82,8 | 89,9 | 99,0 |
| WACC 10,0 % | 61,3 | 64,9 | 69,0 | 74,0 | 80,3 |
| WACC 10,5 % | 57,2 | 60,3 | 63,9 | 68,1 | 73,4 |
Die grün markierten Felder zeigen Szenarien, in denen die Aktie noch unterbewertet ist. Rot markierte Felder — Überbewertung.
Tornado-Diagramm: Welche Variable wirkt am stärksten?
Das Tornado-Diagramm zeigt für jede Annahme die Bandbreite des Ergebniswerts:
- Ewige Wachstumsrate (g): ±38 % Wertschwankung bei ±1 %
- WACC: ±31 % bei ±1,5 %
- EBIT-Marge Jahr 5: ±18 % bei ±3 %
- Umsatzwachstum: ±12 % bei ±2 %
- Steuersatz: ±5 % bei ±5 %
Die Variable mit dem breitesten Balken (hier: ewige Wachstumsrate) ist der wichtigste Risikofaktor — auf diese sollte Analyse-Energie konzentriert werden.
One-Way vs. Two-Way vs. Spider Chart
One-Way: Eine Variable verändert sich, alle anderen bleiben konstant. Einfach, aber ignoriert Interdependenzen.
Two-Way: Zwei Variablen gleichzeitig variiert (die Tabelle oben). Zeigt Kombinationsrisiken.
Spider Chart: Mehrere Variablen gleichzeitig dargestellt, jede auf einer Achse. Intuitiv für Präsentationen.
Praxishinweise
- Stets mindestens WACC ± 1,5 % und g ± 1 % als Spanne wählen
- Extremszenarien einbauen: Was wenn WACC = 12 % und g = 1 %? (Stress-Test)
- Break-Even-Analyse: Bei welchem WACC/g ist der aktuelle Kurs gerechtfertigt?
- In Analyst-Berichten wird die Bewertungsspanne oft durch den 25./75.-Perzentil-Bereich der Sensitivitätstabelle kommuniziert
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Gemäß §34 WpHG wird darauf hingewiesen, dass der Autor Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten kann.