Rollrendite (Roll Yield)
Definition
Die Rollrendite bezeichnet den Gewinn oder Verlust, der beim periodischen Austausch auslaufender Futures-Kontrakte gegen neue entsteht. Sie ist eine der drei Ertragskomponenten von Rohstoff-Futures-Investitionen.
Was ist die Rollrendite?
Wer in Rohstoff-Futures investiert – direkt oder über ETCs und Zertifikate – hält keinen Rohstoff dauerhaft. Futures haben feste Laufzeiten. Kurz vor Ablauf muss der alte Kontrakt verkauft und ein neuer, längerlaufender Kontrakt gekauft werden. Dieser Vorgang heißt Rollen (engl.: rolling).
Die Preisdifferenz zwischen dem verkauften und dem neu gekauften Kontrakt ergibt die Rollrendite (Roll Yield). Sie kann positiv oder negativ ausfallen.
Die drei Ertragskomponenten von Rohstoff-Futures
- Spot-Rendite (Kursgewinn): Veränderung des Spot-Preises des Rohstoffs.
- Rollrendite: Gewinn oder Verlust beim Kontraktwechsel.
- Collateral-Rendite: Zinsen auf die hinterlegte Sicherheitsleistung (Margin).
Die Gesamtrendite eines Rohstoff-ETCs setzt sich aus allen drei Komponenten zusammen. In der Praxis dominiert die Rollrendite oft die Performance – sowohl positiv als auch negativ.
Negative Rollrendite (Contango)
In einem Contango-Markt sind spätere Kontrakte teurer. Beim Rollen verkauft das Produkt billig und kauft teuer – es entsteht ein Rollverlust.
Klassisches Beispiel: Erdgas-Futures. Dieser Markt ist häufig stark in Contango. ETCs auf Erdgas haben historisch massiv underperformt, obwohl der Spot-Preis phasenweise stieg – weil die Rollverluste die Spot-Gewinne aufzehrten.
Positive Rollrendite (Backwardation)
In einem Backwardation-Markt sind nahe Kontrakte teurer. Beim Rollen verkauft das Produkt teuer und kauft billiger – es entsteht ein Rollgewinn.
Beispiel: Rohöl während einer OPEC-Kürzung. Wenn der Markt Angebotsknappheit einpreist, steigen nahe Kontrakte stärker als ferne. Ein rollendes Öl-ETC erzielt so neben dem Kursgewinn zusätzlich Rolleinnahmen.
Warum ist das für ETF- und ETC-Anleger so wichtig?
Viele Anleger vergleichen die Performance ihres Rohstoff-ETCs mit dem Rohstoffpreis, den sie in den Nachrichten sehen – und wundern sich über große Abweichungen. Der Unterschied erklärt sich fast immer durch die Rollrendite.
Faustregel:
- Rohstoffe in Contango (Öl, Gas, Mais) → langfristig struktureller Rollverlust
- Rohstoffe in Backwardation (Gold, Silber physisch hinterlegt → kein Rollproblem)
- Kupfer, Aluminium → wechseln häufig zwischen Contango und Backwardation
Optimierte Roll-Strategien
Einige ETF-Anbieter haben auf das Rollproblem reagiert:
- Optimiertes Rollen (z.B. UBS CMCI): Verteilung über mehrere Laufzeiten statt monatlichem Rollen in den nächsten Kontrakt.
- Backwardation-Screening: Produkte, die aktiv die günstigsten Rollpunkte der Terminkurve wählen.
- Physisch hinterlegte ETCs: Keine Futures, kein Rollproblem (bei Gold, Silber, Platin üblich).
Fazit
Die Rollrendite ist unsichtbar, aber entscheidend. Bevor ein Anleger in ein Futures-basiertes Produkt investiert, sollte er die aktuelle Terminkurvenstruktur des jeweiligen Rohstoffs kennen – und prüfen, ob das Produkt eine optimierte Roll-Strategie einsetzt.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Rohstoff-Derivate unterliegen erheblichen Risiken. Bitte beachten Sie die Risikohinweise gemäß § 34 WpHG.