Backwardation (Terminmarkt)
Definition
Backwardation bezeichnet eine Marktsituation, in der Futures-Kontrakte mit späterem Liefertermin günstiger sind als der aktuelle Kassakurs. Sie signalisiert oft akute Angebotsknappheit und erzeugt positive Rollrenditen für Futures-Anleger.
Was ist Backwardation?
Backwardation (auch: „in backwardation") ist das Gegenteil von Contango: An Terminmärkten liegt hier der Kassakurs (Spot-Preis) über dem Preis für spätere Futures-Kontrakte. Die Terminkurve verläuft also nach unten – ein eher ungewöhnlicher Zustand, der klare Marktsignale aussendet.
Ursachen von Backwardation
Backwardation entsteht, wenn der Markt eine unmittelbare Knappheit signalisiert:
- Versorgungsengpässe: Streiks in Kupferminen, extreme Kältewellen beim Erdgas, geopolitische Unterbrechungen bei Öl.
- Convenience Yield: Der Wert, physische Ware jetzt zu besitzen – etwa für Industriebetriebe, die auf lückenlose Versorgung angewiesen sind. Dieser Nutzen übertrifft die Lager- und Finanzierungskosten.
- Spekulative Positionierung: Starker Short-Druck auf spätere Kontrakte.
Klassische Beispiele: Rohöl (WTI/Brent) während OPEC-Drosselungen, Erdgas im Winter, Weizen nach Missernten.
Positive Rollrendite – der Vorteil für Futures-Anleger
Im Backwardation-Markt verdient ein rollendes Futures-Produkt beim Wechsel zwischen Kontrakten:
Man verkauft teuer (den auslaufenden nahen Kontrakt) und kauft billiger (den neuen fernen Kontrakt).
Diese positive Rollrendite (auch: Roll Yield) addiert sich zur reinen Preisentwicklung. Anleger in Rohstoff-ETCs können so selbst dann profitieren, wenn der Spotpreis seitwärts läuft.
Beispiel: Ein Öl-ETC hält den März-Kontrakt bei 85 USD und rollt in den April-Kontrakt bei 83 USD. Pro Barrel entsteht ein Rollgewinn von 2 USD.
Backwardation als Marktsignal
Backwardation liefert wertvolle Informationen:
- Starke Backwardation bei Energie-Rohstoffen signalisiert Knappheit – Produzenten erhalten einen Anreiz, die Produktion hochzufahren.
- Persistente Backwardation über viele Monate deutet auf ein strukturelles Angebotsdefizit hin.
- Übergang von Contango zu Backwardation kann einen Wendepunkt im Rohstoffzyklus markieren.
Bedeutung für ETF- und ETC-Anleger
Rohstoff-ETCs wie solche auf WTI-Öl oder Erdgas-Futures profitieren in Backwardation-Phasen durch positive Rollrenditen. Anleger sollten die aktuelle Terminkurve im Blick behalten, die auf Plattformen wie CME Group oder Reuters Eikon einsehbar ist. Wechselt ein Markt von Backwardation in Contango, dreht sich der Rolleffekt von positiv auf negativ.
Fazit
Backwardation ist ein wichtiges Signal für aktuelle Marktverhältnisse und ein direkter Ertragstreiber für rollende Futures-Produkte. Das Verständnis der Terminkurvenstruktur ist für jeden Rohstoff-Anleger essenziell.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Derivate und Rohstoff-ETCs sind risikoreich. Bitte beachten Sie die Risikohinweise gemäß § 34 WpHG.