Perpetual Bond (Ewige Anleihe)
Definition
Ein Perpetual Bond ist eine Anleihe ohne festes Laufzeitende, die theoretisch ewig Zinsen ausschüttet. Der Emittent ist nicht verpflichtet, das Kapital zurückzuzahlen.
Was ist ein Perpetual Bond?
Ein Perpetual Bond – auf Deutsch auch „ewige Anleihe" oder „Consol" genannt – ist ein festverzinsliches Wertpapier ohne vereinbartes Rückzahlungsdatum. Der Anleiheinhaber erhält regelmäßige Zinszahlungen (Kupons) auf unbestimmte Zeit, hat aber keinen rechtlichen Anspruch auf Rückzahlung des Nennwerts.
Rendite-Charakteristik
Da kein Fälligkeitsdatum existiert, wird die Rendite eines Perpetual Bonds über die sogenannte ewige Rente berechnet:
Rendite = Kupon / Marktpreis
Beispiel: Ein Perpetual Bond mit einem Nennwert von 1.000 Euro und einem jährlichen Kupon von 50 Euro, der zum Marktpreis von 800 Euro gehandelt wird, erzielt eine aktuelle Rendite von 6,25 %.
Da kein Rückzahlungsdatum vorliegt, reagiert der Kurs besonders sensibel auf Zinsänderungen: Steigen die Marktzinsen, fällt der Kurs überproportional stark – die Duration ist theoretisch unendlich.
Merkmale im Überblick
- Keine Fälligkeit: Der Emittent ist nicht zur Rückzahlung verpflichtet
- Optionales Kündigungsrecht: Viele Perpetuals enthalten Call-Optionen, die dem Emittenten nach einer Sperrfrist (z. B. 5 oder 10 Jahre) die vorzeitige Rückzahlung erlauben
- Nachrangigkeit: Perpetuals sind oft nachrangige Schuldverschreibungen – im Insolvenzfall werden Gläubiger erst nach anderen Gläubigern, aber vor Aktionären bedient
- Step-up-Klauseln: Wird die Kündigung nicht ausgeübt, steigt der Kupon häufig an (Anreiz zur Rückzahlung)
Typische Emittenten
Perpetual Bonds werden häufig von Banken und Versicherungen emittiert, um aufsichtsrechtliche Eigenkapitalanforderungen (z. B. AT1- oder Tier-2-Kapital nach Basel III) zu erfüllen. Auch Staaten wie das Vereinigte Königreich haben historisch sogenannte „Consols" begeben.
Für welche Anleger geeignet?
Perpetual Bonds eignen sich für erfahrene Anleger, die:
- ein langfristiges Einkommensinteresse haben (laufende Kupons)
- das Zinsänderungs- und Kreditrisiko einschätzen können
- auf die Kapitalrückzahlung nicht zwingend angewiesen sind
Aufgrund ihrer Nachrangigkeit und fehlenden Fälligkeit sind sie nicht für sicherheitsorientierte oder kurzfristig planende Anleger geeignet.
Bekannte Beispiele
- Deutsche Bank AT1-Anleihen (CoCo-Bonds mit ewiger Laufzeit)
- Britannische Consols (historische Staatsanleihen aus dem 18. Jahrhundert)
- Hybridanleihen von Industrieunternehmen wie Volkswagen oder RWE
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte beachten Sie die gesetzlichen Hinweispflichten gemäß § 34 WpHG.