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Low-Volatility-Strategie

Definition

Die Low-Volatility-Strategie investiert bevorzugt in Aktien mit geringen Kursschwankungen. Sie widerspricht der klassischen Finanztheorie, die höhere Renditen nur bei höherem Risiko verspricht – und gilt als eine der stabilsten Faktor-Anomalien an den Aktienmärkten.

Was ist die Low-Volatility-Strategie?

Die Low-Volatility-Strategie – auch Minimum-Varianz-Ansatz oder Low-Vol-Faktor genannt – setzt auf Aktien mit unterdurchschnittlichen Kursschwankungen. Das klingt nach schlechter Rendite, denn laut dem Capital Asset Pricing Model (CAPM) sollten riskantere Aktien (höheres Beta) langfristig besser abschneiden.

Die Empirie widerspricht dieser Theorie jedoch seit Jahrzehnten: Weniger volatile Aktien erzielen häufig ähnliche oder bessere Renditen – bei deutlich geringeren Drawdowns.

Die Low-Volatility-Anomalie

Baker, Bradley und Wurgler (2011) dokumentierten in ihrer vielzitierten Studie, dass US-Aktien mit dem niedrigsten historischen Beta über Jahrzehnte ähnliche Renditen wie hochvolatile Aktien erzielten – aber mit viel weniger Schwankung. Diese Anomalie gilt als einer der stärksten Belege gegen die Markteffizienz-Hypothese in ihrer strengsten Form.

Mögliche Erklärungen:

  • Benchmark-Zwang: Institutionelle Investoren müssen Indizes schlagen und meiden ruhige, unterbewertete Aktien
  • Lottery-Effekt: Anleger bezahlen Aufschläge für hochvolatile Titel (Hoffnung auf Jackpot)
  • Leverage-Beschränkungen: Investoren mit Hebelbeschränkung kaufen volatile Aktien, um Rendite zu steigern

Typische Sektoren

Low-Vol-Portfolios sind häufig übergewichtet in:

  • Versorger (Strom, Wasser, Gas) – regulierte, stabile Cashflows
  • Konsumgüter-Grundbedarf (Lebensmittel, Haushalt) – konjunkturunabhängige Nachfrage
  • Telekommunikation – hohe Kundenbindung, wiederkehrende Umsätze
  • Gesundheit – wenig zyklisch, demografischer Rückenwind

Low-Vol ETFs in der Praxis

  • iShares Edge MSCI World Minimum Volatility ETF (ISIN: IE00B8FHGS14)
  • Invesco S&P 500 Low Volatility ETF
  • Xtrackers MSCI World Minimum Volatility ETF

Diese ETFs wählen Aktien mit niedrigem historischem Beta oder niedriger Standardabweichung und kombinieren sie so, dass die Portfoliovolatilität minimiert wird.

Vorteile

  • Geringere Verluste in Bärenmärkten – psychologisch leichter zu halten
  • Historisch ähnliche Langfristrenditen wie der breite Markt
  • Häufig günstig bewertet (viele Value-Überschneidungen)
  • Gut kombinierbar mit Dividendenstrategien (viele Low-Vol-Titel zahlen stabile Dividenden)

Nachteile und Risiken

  • Unterperformance in Bullenmärkten: In starken Aufwärtsphasen bleibt der Low-Vol-Ansatz deutlich hinter Wachstumstiteln zurück
  • Zinsrisiko: Viele Low-Vol-Sektoren reagieren sensibel auf steigende Zinsen (Versorger, Immobilien)
  • Konzentrisierungsrisiko: Sektorwetten auf Versorger/Konsum können zu Klumpenrisiken führen
  • Definition von Volatilität variiert zwischen ETF-Anbietern

Kombination mit anderen Faktoren

Low Volatility funktioniert am besten in Kombination mit anderen Faktoren – etwa Quality (stabile Gewinne + niedrige Volatilität) oder Dividende. Multi-Faktor-ETFs versuchen, diese Synergien systematisch zu nutzen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Wertentwicklungen garantieren keine künftigen Ergebnisse (§ 34 WpHG).

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