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IPO-Prozess in Deutschland

Definition

Der IPO-Prozess (Initial Public Offering) beschreibt alle Schritte, die ein Unternehmen durchläuft, um erstmals Aktien an einer deutschen Börse öffentlich zu platzieren — von der Vorbereitung bis zur Erstnotiz.

Was ist ein IPO?

Ein IPO (Initial Public Offering) ist der erstmalige Verkauf von Unternehmensaktien an die breite Öffentlichkeit. In Deutschland erfolgt die Börsenzulassung überwiegend an der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB), die von der Deutsche Börse AG betrieben wird. Das Unternehmen wechselt dabei vom privaten in den öffentlichen Status.

Die Phasen des deutschen IPO-Prozesses

Phase 1 — Vorbereitung (12-18 Monate vor Börsengang): Das Unternehmen beauftragt Konsortialbanken (Lead Manager), Wirtschaftsprüfer und Rechtanwälte. Interne Prozesse, Corporate Governance und Rechnungslegung (IFRS) werden auf Börsenstandards gebracht. Eine Due-Diligence-Prüfung deckt Risiken auf.

Phase 2 — Strukturierung (6-9 Monate vor Börsengang): Die Konsortialbanken erarbeiten die Emissionsstruktur: Primär- vs. Sekundärtransaktion, Börsenmarktsegment (Prime Standard, General Standard), Aktienanzahl und Preisspanne. Ein erster Unternehmenswert wird ermittelt.

Phase 3 — Wertpapierprospekt: Der Wertpapierprospekt muss von der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) genehmigt werden. Er enthält alle wesentlichen Informationen: Geschäftsmodell, Finanzhistorie, Risikofaktoren und Verwendung des Emissionserlöses.

Phase 4 — Roadshow (2-3 Wochen): Das Management präsentiert das Unternehmen internationalen institutionellen Investoren. Gleichzeitig läuft das Bookbuilding-Verfahren, bei dem Kaufaufträge gesammelt werden.

Phase 5 — Preisfestsetzung und Zuteilung: Nach Abschluss der Roadshow wird der endgültige Ausgabepreis festgesetzt. Die Aktien werden zugeteilt, überwiegend an institutionelle Investoren.

Phase 6 — Erstnotiz: Am ersten Handelstag wird der Eröffnungskurs ermittelt. Eine Stabilisierungsphase von bis zu 30 Tagen ist möglich (Greenshoe-Option).

Praxisbeispiele

Der Börsengang der Porsche AG (2022) war mit einem Emissionsvolumen von rund 9,4 Milliarden Euro einer der größten deutschen IPOs der Geschichte. Siemens Energy ging 2020 durch einen Spin-off von Siemens an die Börse. Zalando debuetiertedagger 2014 im Prime Standard der Frankfurter Börse.

Kosten eines IPO

Die Gesamtkosten betragen typischerweise 5-7 Prozent des Emissionsvolumens. Dazu kommen Rechts- und Beratungskosten, Druckkosten für den Prospekt sowie laufende Kosten für Investor Relations und Compliance nach dem Börsengang.


Dieser Eintrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Bitte konsultieren Sie bei Anlageentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater.

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