Intrinsischer Wert
Definition
Der intrinsische Wert ist der wahre, fundamentale Wert eines Unternehmens oder Wertpapiers, unabhängig vom aktuellen Marktpreis. Er bildet die Grundlage der wertorientierten Kapitalanlage nach Benjamin Graham und Warren Buffett.
Was ist der intrinsische Wert?
Der intrinsische Wert (englisch: intrinsic value) ist das Herzstück der fundamentalen Wertpapieranalyse. Er beschreibt den „echten" Wert eines Unternehmens – unabhängig davon, was der Markt gerade dafür zahlt. Die Idee: Kurzfristig können Aktienkurse durch Emotionen, Spekulation und Marktstimmungen verzerrt werden. Langfristig pendelt der Kurs jedoch immer wieder zum inneren Wert zurück.
Benjamin Graham, der geistige Vater des Value Investing, definierte den intrinsischen Wert als denjenigen Betrag, der durch die Fakten gerechtfertigt ist – Vermögenswerte, Erträge, Dividenden, Wachstumsaussichten – im Gegensatz zu künstlich aufgeblähten Marktpreisen.
Berechnung des intrinsischen Werts
Es gibt keine universelle Formel. Die gängigsten Methoden sind:
Graham-Formel: Benjamin Graham entwickelte eine vereinfachte Formel: Intrinsischer Wert = EPS × (8,5 + 2 × erwartetes jährliches Wachstum). Diese Formel ist heute primär als Daumenregel geeignet.
Discounted-Cashflow-Analyse (DCF): Zukünftige freie Cashflows werden mit den Kapitalkosten (WACC) diskontiert. Diese Methode gilt als präziseste, erfordert aber realistische Prognosen über 5–10 Jahre.
Sum-of-the-Parts (SOTP): Bei Konglomeraten wird jede Geschäftseinheit separat bewertet und summiert. Relevant für DAX-Konzerne wie Siemens (SIE.DE, WKN 723610) oder Thyssenkrupp.
Praxisbeispiel: Allianz SE
Die Allianz SE (ALV.DE, WKN 840400, ISIN DE0008404005) ist ein Paradebeispiel für intrinsische-Wert-Analysen im DAX. Als Versicherungskonzern mit stabilen Dividenden und einem robusten Asset-Management-Arm lässt sich der intrinsische Wert über ein Dividendenwachstumsmodell und einen adjustierten Buchwert berechnen. Analysten schätzen den fairen Wert regelmäßig 15–25 % über oder unter dem aktuellen Kurs ein – je nach Zinsumfeld und Combined Ratio.
Der Unterschied zum Marktpreis
Warren Buffett formulierte es plastisch: „Der Markt ist kurzfristig eine Abstimmungsmaschine, langfristig eine Waage." Kurzfristig gewinnt, wer die Stimmung richtig einschätzt. Langfristig gewinnt, wer den inneren Wert korrekt berechnet.
Liegt der Marktpreis deutlich unter dem intrinsischen Wert, entsteht eine „Margin of Safety" – ein Sicherheitspuffer gegen Bewertungsfehler und unvorhergesehene Ereignisse.
Grenzen und Risiken
Der intrinsische Wert ist keine objektive Größe. Zwei Analysten können mit denselben Daten zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Entscheidend sind die Annahmen über Wachstumsraten, Kapitalkosten und Profitabilität. Besonders bei Wachstumsunternehmen wie AIXTRON (AIXA.DE) oder Sartorius (SRT.DE) ist die Bandbreite möglicher intrinsischer Werte enorm.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung im Sinne des § 34 WpHG dar.