Fair Value (Fairer Wert)
Definition
Der Fair Value ist der theoretisch korrekte, innere Wert eines Wertpapiers, der auf fundamentalen Kennzahlen wie Ertragskraft, Wachstumsaussichten und Risiko basiert. Liegt der Marktpreis unter dem Fair Value, gilt eine Aktie als unterbewertet.
Was ist der Fair Value?
Der Fair Value – auf Deutsch „fairer Wert" oder „innerer Wert" – beschreibt den Preis, den ein Wertpapier unter rationalen Marktbedingungen verdienen sollte. Er ergibt sich aus einer Analyse der fundamentalen Unternehmensqualität: Ertragskraft, Bilanzstärke, Wachstumspotenzial und Kapitalkosten.
Der Begriff ist zentral für die wertorientierte Kapitalanlage (Value Investing), die von Benjamin Graham geprägt und von Warren Buffett zur Perfektion entwickelt wurde. Buffetts Grundsatz lautet: „Preis ist, was du bezahlst. Wert ist, was du bekommst."
Berechnungsmethoden
Für die Ermittlung des Fair Value existieren mehrere Ansätze:
Discounted-Cashflow-Modell (DCF): Die zukünftigen freien Cashflows eines Unternehmens werden mit einem angemessenen Zinssatz (Weighted Average Cost of Capital, WACC) auf den heutigen Wert abgezinst. Diese Methode gilt als theoretisch sauberste, ist aber hochsensitiv gegenüber Annahmen.
Multiplikatorverfahren: Anhand von Vergleichskennzahlen wie KGV, KBV oder EV/EBITDA wird der Wert eines Unternehmens im Verhältnis zu Branchenpeers oder historischen Durchschnittswerten bewertet.
Dividendenwachstumsmodell (Gordon Growth Model): Für dividendenstarke Unternehmen wird der faire Wert aus dem erwarteten Dividendenstrom und einer nachhaltigen Wachstumsrate abgeleitet.
Praxisbeispiel: SAP SE
SAP SE (SAP.DE, WKN 716460, ISIN DE0007164600) ist ein klassisches Beispiel für Fair-Value-Bewertungen im DAX. Das Unternehmen durchläuft seit 2020 eine Transformation vom Lizenz- zum Cloud-Geschäftsmodell. Analysten bewerten den fairen Wert unterschiedlich: Während DCF-Modelle mit hohen Wachstumsraten im Cloud-Segment Fair Values von 250–300 Euro rechtfertigen, implizieren konservative Multiplikatormodelle eher 180–210 Euro.
Der Marktpreis weicht regelmäßig vom Fair Value ab – das ist die Grundlage für aktives Stock Picking.
Fair Value vs. Marktpreis
Ein wichtiges Konzept: Der Fair Value ist kein stabiler Festwert. Er verändert sich mit Quartalsergebnissen, Zinsniveaus und makroökonomischen Rahmenbedingungen. Steigen die Zinsen, sinken DCF-basierte Fair Values automatisch – selbst wenn sich am Unternehmen selbst nichts geändert hat.
Grenzen der Methode
Kein Modell ist vollständig: Alle Fair-Value-Berechnungen basieren auf Prognosen, die unsicher sind. Qualitative Faktoren wie Management-Qualität, Markenreputation oder regulatorische Risiken lassen sich nur schwer quantifizieren.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung im Sinne des § 34 WpHG dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden.