EURIBOR: Referenzzins für europäische Interbankenkredite
Definition
Der EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate) ist der Zinssatz, zu dem europäische Banken sich gegenseitig für definierte Laufzeiten (1 Woche bis 12 Monate) unbesichert Geld leihen — er ist der wichtigste Referenzzins für variabel verzinste Kredite und Floater in der Eurozone.
Was ist der EURIBOR?
Der EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate) ist ein täglicher Referenzzins für unbesicherte Interbanken-Darlehen in Euro. Er gibt an, zu welchem Zinssatz sich Banken im europäischen Geldmarkt gegenseitig für festgelegte Laufzeiten Geld leihen würden. Als zentraler Benchmark der Eurozone beeinflusst er direkt Millionen von Kreditverträgen, Hypotheken und Finanzprodukten.
Laufzeiten des EURIBOR
Der EURIBOR wird für fünf Laufzeiten ermittelt: 1 Woche, 1 Monat, 3 Monate, 6 Monate und 12 Monate. Am bedeutendsten für Finanzprodukte sind der 3-Monats- und der 6-Monats-EURIBOR. Täglich um 11:00 Uhr MEZ wird der aktuelle Satz veröffentlicht.
Wie wird der EURIBOR ermittelt?
Ein Panel aus rund 18 europäischen Großbanken — darunter Deutsche Bank, BNP Paribas und Santander — meldet täglich ihre geschätzten Refinanzierungskosten für die verschiedenen Laufzeiten. Die höchsten und niedrigsten 15 Prozent der Meldungen werden gestrichen, aus den verbleibenden Werten ergibt sich der EURIBOR-Satz. Die Berechnung und Veröffentlichung obliegt dem European Money Markets Institute (EMMI).
EURIBOR vs. ESTR
Neben dem EURIBOR gibt es seit 2019 den €STR (Euro Short-Term Rate) als alternativen Tagesgeldsatz, der direkt auf tatsächlichen Transaktionen basiert — nicht auf Schätzungen der Banken. Der €STR hat den EONIA als Overnight-Referenzzins abgelöst, während der EURIBOR für Laufzeiten ab einer Woche weiterhin der Marktstandard bleibt. Beide Sätze werden von der EZB veröffentlicht.
LIBOR-Ablösung und Reformprozess
Nach dem LIBOR-Manipulationsskandal (2012) wurde auch der EURIBOR reformiert. Seit 2019 basiert die Berechnung auf einer Hybrid-Methode, die echte Transaktionsdaten bevorzugt und auf Schätzungen nur zurückgreift, wenn keine ausreichende Datenbasis vorhanden ist. Das EU-Benchmarks-Regulierung (BMR) gibt den rechtlichen Rahmen vor.
Auswirkung auf Kredite und Hypotheken
Variabel verzinste Kredite — insbesondere Unternehmenskredite und in manchen Ländern Hypothekendarlehen — sind direkt an den EURIBOR gekoppelt. Ein typischer Kreditzins lautet: EURIBOR 3M + 1,5 % Marge. Steigt der EURIBOR, steigen automatisch die Zinsbelastungen der Kreditnehmer. In der Niedrigzinsphase 2014–2021 war der 3-Monats-EURIBOR negativ, was für variable Kreditnehmer ungewöhnlich günstige Konditionen bedeutete.
Praxisbeispiel: Floater
Ein Unternehmen emittiert eine Floater-Anleihe mit Kupon EURIBOR 6M + 0,75 %. Bei einem aktuellen EURIBOR 6M von 3,20 % ergibt sich ein Kupon von 3,95 %. Steigt der EURIBOR auf 3,80 %, erhöht sich der Kupon entsprechend auf 4,55 %. Anleger profitieren in steigenden Zinsumfeldern, während Emittenten variable Zinskosten tragen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Zinsentwicklungen können abweichen. Bitte beachten Sie die gesetzlichen Hinweispflichten gemäß § 34 WpHG.