ESG-Screening Methoden
Definition
ESG-Screening bezeichnet systematische Verfahren zur Auswahl oder zum Ausschluss von Unternehmen in einem Portfolio anhand von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien. Die wichtigsten Ansätze sind Negativscreening, Best-in-Class und normbasiertes Screening.
Was ist ESG-Screening?
ESG-Screening ist das Herzstück jeder nachhaltigen Anlagestrategie. Fondsmanager und institutionelle Investoren nutzen strukturierte Filterverfahren, um ihr Anlageuniversum nach Nachhaltigkeitskriterien einzugrenzen oder zu priorisieren. Die EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) hat 2021 die Transparenzanforderungen für diese Methoden erheblich verschärft.
Negativscreening (Ausschlussverfahren)
Beim Negativscreening werden bestimmte Branchen, Unternehmen oder Staaten systematisch ausgeschlossen. Klassische Ausschlusskriterien umfassen Rüstung (insbesondere Streumunition und Antipersonenminen gemäß Ottawa-Konvention), Tabak, Glücksspiel, Kohleförderung ab einem Umsatzanteil von 5–30 % und Verstöße gegen den UN Global Compact. Dies ist die älteste und verbreitetste Methode – über 90 % aller nachhaltigen Fonds nutzen zumindest rudimentäres Negativscreening.
Best-in-Class-Ansatz
Der Best-in-Class-Ansatz schließt keine Sektoren pauschal aus, sondern investiert in die ESG-Führer jeder Branche. So kann auch ein Ölkonzern mit überdurchschnittlichem CO2-Management im Portfolio landen. Dieser Ansatz maximiert die Diversifikation, wird aber von kritischen Investoren als 'Greenwashing-light' bezeichnet. MSCI und S&P nutzen Best-in-Class-Ratings für ihre ESG-Indexfamilien.
Normbasiertes Screening
Hier werden internationale Standards wie UN Global Compact, OECD-Leitsätze und ILO-Kernarbeitsnormen als Mindestanforderung gesetzt. Unternehmen, die diese Normen nachweislich verletzen, werden ausgeschlossen. Sustainalytics und ISS ESG bieten spezialisierte Controversy-Datendienste hierfür an.
ESG-Integration vs. reines Screening
Moderne Ansätze kombinieren Screening mit echter ESG-Integration: Neben dem Filter fließen ESG-Scores als quantitative Faktoren in die Bewertung ein (z.B. niedrigerer Diskontierungssatz für ESG-Leader). Artikel-8- und Artikel-9-Fonds gemäß SFDR müssen den gewählten Screening-Ansatz im vorvertraglichen Dokument und im Jahresbericht transparent offenlegen.
Praktische Umsetzung
Die Qualität des Screenings hängt stark von den genutzten Datenprovidern ab. MSCI ESG Research, Sustainalytics, ISS ESG und S&P Global ESG liefern unterschiedliche Datenpunkte, was zu erheblicher Rating-Divergenz führen kann. Investoren sollten stets prüfen, welchen Datenanbieter ein Fonds nutzt und wie aktuelle Kontroversen verarbeitet werden.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.