Dirty Price (Schmutziger Kurs)
Definition
Der Dirty Price ist der tatsächlich gezahlte Marktpreis einer Anleihe inklusive der seit dem letzten Kupontermin aufgelaufenen Stückzinsen. Er entspricht dem vollständigen Kaufpreis, den ein Käufer an den Verkäufer entrichten muss.
Was ist der Dirty Price?
Der Dirty Price (auf Deutsch: Schmutziger Kurs oder Bruttopreis) bezeichnet den vollständigen Handelspreis einer Anleihe, der sowohl den reinen Kurswert (Clean Price) als auch die seit dem letzten Kuponzahlungstermin aufgelaufenen Stückzinsen (Accrued Interest) umfasst. Im deutschsprachigen Raum wird er auch als Bruttokurs bezeichnet.
Formel
Dirty Price = Clean Price + aufgelaufene Stückzinsen
Die aufgelaufenen Stückzinsen berechnen sich wie folgt:
Stückzinsen = Nominalzins × (Tage seit letztem Kupon / Tage im Kuponperiode)
Berechnungsbeispiel
Angenommen, eine Anleihe hat:
- Nominalwert: 1.000 €
- Kupon: 4 % p.a. (= 40 € pro Jahr)
- Letzter Kupontermin: vor 90 Tagen
- Kuponperiode: 365 Tage
- Clean Price: 102,50 % = 1.025 €
Stückzinsen = 40 € × (90 / 365) = 9,86 €
Dirty Price = 1.025 € + 9,86 € = 1.034,86 €
Der Käufer zahlt also 1.034,86 €, erhält beim nächsten Kupontermin aber den vollen Kupon von 40 € — der Verkäufer wurde über den Dirty Price für die 90 Tage Haltezeit kompensiert.
Warum existiert der Dirty Price?
Anleihen zahlen Zinsen periodenweise (halbjährlich oder jährlich). Wird eine Anleihe zwischen zwei Kuponterminen gehandelt, hat der Verkäufer für die Haltezeit Zinsen angesammelt, erhält den Kupon aber nicht mehr. Der Dirty Price stellt sicher, dass der Verkäufer für diese aufgelaufenen Zinsen entschädigt wird.
Dirty Price vs. Clean Price
| Merkmal | Dirty Price | Clean Price |
|---|---|---|
| Stückzinsen enthalten | Ja | Nein |
| Tatsächlicher Zahlungsbetrag | Ja | Nein |
| Kursnotierung (Börse) | Nein | Ja |
| Vergleichbarkeit | Eingeschränkt | Hoch |
An Börsen wird typischerweise der Clean Price notiert, weil dieser eine bessere Vergleichbarkeit über Zeit ermöglicht — er springt nicht an jedem Kupontermin abrupt nach unten. Der Dirty Price ist hingegen der tatsächlich abgerechnete Betrag.
Bedeutung für Anleger
Wer eine Anleihe kauft, muss immer den Dirty Price bezahlen — auch wenn nur der Clean Price notiert wird. Anleger sollten daher beim Kauf von Anleihen stets prüfen, wie hoch die aufgelaufenen Stückzinsen sind, um den tatsächlichen Kaufpreis zu kennen. Gerade bei langen Halteperioden bis zum nächsten Kupontermin kann der Unterschied zwischen Clean und Dirty Price mehrere Prozentpunkte betragen.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Anleihen sind mit Risiken verbunden. Bitte konsultieren Sie einen zugelassenen Finanzberater (§ 34 WpHG).