Broadening Formation (Megaphon)
Definition
Die Broadening Formation (auch Megaphon-Formation) ist ein seltenes Chartmuster mit zwei divergierenden Trendlinien, bei dem die Kursschwankungen zunehmend größer werden. Es signalisiert hohe Marktinstabilität und gilt je nach Kontext als Umkehr- oder Fortsetzungsmuster.
Was ist die Broadening Formation?
Die Broadening Formation (Megaphon, erweiterte Formation) ist das Spiegelbild eines symmetrischen Dreiecks: Während beim Dreieck die Trendlinien konvergieren, divergieren sie hier. Der Kurs macht sukzessiv höhere Hochs und tiefere Tiefs – die Kursschwankungen weiten sich aus statt enger zu werden. Das Muster ähnelt optisch einem Megaphon oder einer umgekehrten Trompete.
Varianten
1. Symmetrische Broadening Formation: Obere und untere Trendlinie divergieren gleichmäßig. Beide Linien zeigen vom selben Ausgangspunkt weg. Neutrales Signal, das oft in instabilen Märkten auftritt.
2. Right-Angled Broadening Formation: Eine Trendlinie ist horizontal, die andere divergiert. Häufig bärisches Muster, wenn die Oberkante horizontal und die Unterkante abwärts geneigt ist.
3. Broadening Top / Broadening Bottom: Als Umkehrmuster an Marktextremen – besonders das Broadening Top gilt als bärisches Signal an Marktspitzen.
Psychologische Bedeutung
Das Muster spiegelt zunehmende Nervosität, Unentschlossenheit und emotionale Überreaktionen wider. Käufer und Verkäufer wechseln sich in immer extremeren Ausschlägen ab. Häufig tritt es an Marktspitzen auf, wenn übertriebener Optimismus auf plötzliche Panikverkäufe trifft – ein Zeichen für eine destabilisierte Marktstimmung.
Handelssignal
Das Muster ist schwerer zu handeln als andere Formationen, da klare Ausbruchssignale seltener sind. Zwei gängige Ansätze:
Ansatz 1 – Linienbruch: Verkauf beim Durchbruch durch die untere Trendlinie (bärisch) oder Kauf beim Durchbruch durch die obere (bullisch).
Ansatz 2 – Bounce-Trading: Kauf nahe der unteren Trendlinie mit engem Stop, Verkauf nahe der oberen Trendlinie. Erfordert strikte Disziplin.
Stop-Loss stets außerhalb der Formation, da falsche Ausbrüche häufig sind.
Zielkursberechnung
Bei einem Ausbruch nach unten:
- Messe die maximale Breite der Formation (Abstand zwischen letztem Hoch und letztem Tief)
- Projiziere diese Distanz nach unten vom Ausbruchspunkt
Beispiel: Letztes Hoch der Formation: 120 €, letztes Tief: 80 € (Breite: 40 €). Ausbruch bei 80 €. Kursziel: 80 € − 40 € = 40 €.
Praxisbeispiel
Ein DAX-Index schwankt über 8 Wochen zwischen immer weiteren Extremen: Hochs bei 14.000, 14.500, 15.000 Punkten und Tiefs bei 13.800, 13.500, 13.100 Punkten. Das Muster zeigt zunehmende Unsicherheit. Ausbruch unter 13.100 Punkte mit hohem Volumen – bearisches Signal.
Besonderheiten und Risiken
- Selteneres Muster als Dreiecke oder Keile
- Falsche Ausbrüche sind häufiger als bei konvergierenden Formationen
- Besonders relevant in volatilen Phasen (Zinserhöhungszyklen, geopolitische Krisen)
- Wird oft von Volumenpicks an den Extrempunkten begleitet
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Kursmuster garantieren keine zukünftigen Ergebnisse. Bitte beachten Sie die Risikohinweise gemäß § 34b WpHG.