Zum Hauptinhalt springen
Zurück zum Lexikon

Branchen-Multiples: Typische Bewertungskennzahlen je Sektor

Definition

Branchen-Multiples sind die für verschiedene Wirtschaftssektoren typischen Bewertungskennzahlen — was im Technologiesektor mit KGV 30 günstig erscheint, ist im Versorgungssektor teuer. Korrekte Interpretation erfordert immer den Branchenkontext.

Definition

Branchen-Multiples (auch: Sektor-Multiples) sind die branchenüblichen Bewertungsspannen für Kennzahlen wie KGV, EV/EBITDA oder KBV. Sie entstehen durch den Vergleich vieler Unternehmen einer Branche und spiegeln deren typische Wachstumserwartungen, Kapitalintensität und Risikostruktur wider.

Warum Multiples zwischen Branchen variieren

Drei Hauptfaktoren bestimmen das „faire" Multiple einer Branche:

  1. Wachstumserwartungen: Schnell wachsende Branchen (Software, Biotech) erhalten höhere Multiples als reife Branchen (Stahl, Versorger).
  2. Kapitalintensität: Kapitalintensive Branchen (Automobilbau, Telekommunikation) weisen niedrigere Multiples auf, weil viel Kapital gebunden ist.
  3. Margenstruktur und Predictability: Unternehmen mit stabilen, wiederkehrenden Einnahmen (SaaS, Mautbetreiber) erzielen Bewertungsaufschläge.

Typische Multiples je Branche (Orientierungswerte, Stand 2024/25)

BrancheKGVEV/EBITDAKBV
Software / SaaS25–50x15–30x5–15x
Pharma / Biotech20–40x12–20x3–8x
Technologie-Hardware15–25x10–18x3–6x
Industrie / Maschinenbau12–20x8–12x1,5–3x
Automobilbau6–12x4–7x0,8–2x
Einzelhandel15–25x6–10x2–5x
Banken / Versicherungen8–15xn/a*0,8–1,8x
Versorger / Infrastruktur12–18x8–12x1,2–2,5x
Immobilien (REITs)15–25x15–25x0,9–2x

*Bei Banken wird statt EV/EBITDA das Kurs-Gewinn-Verhältnis und KBV verwendet.

Normalisierung und Zyklusbereinigung

In zyklischen Branchen (Automobil, Chemie, Stahl) schwanken die Gewinne stark. Analysten nutzen daher normalisierte Multiples auf Basis des durchschnittlichen Gewinns über einen vollen Konjunkturzyklus (z. B. 10 Jahre). Das verhindert, dass ein Unternehmen am Gewinngipfel optisch günstig und im Abschwung optisch teuer erscheint.

Peer-Group-Analyse in der Praxis

Kein Multiple hat eine absolute Bedeutung — es geht immer um den relativen Vergleich mit der Peer-Group. Ein KGV von 15 für einen DAX-Automobilhersteller ist teuer, wenn die Branche bei 8x bewertet ist. Bei einem Softwareunternehmen wäre es ein klares Kaufsignal.

Schritte einer sauberen Peer-Group-Analyse:

  1. Vergleichbare Unternehmen identifizieren (Branche, Größe, Geographie)
  2. Multiples berechnen (LTM und NTM — letzte 12 Monate vs. nächste 12 Monate)
  3. Median und Bandbreite ermitteln
  4. Unternehmen relativ zur Peer-Group positionieren

Verwandte Begriffe


Dieser Eintrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Bitte konsultieren Sie bei Anlageentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater.

Branchen-MultiplesSektor-BewertungKGVEV/EBITDAPeer-Group