Verfügbarkeitsheuristik — Availability Bias
Definition
Die Verfügbarkeitsheuristik beschreibt die Tendenz, die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach einzuschätzen, wie leicht ein Beispiel im Gedächtnis verfügbar ist — was zu systematischen Fehlbewertungen von Risiken an der Börse führt.
Definition
Availability Bias (Verfügbarkeitsheuristik) ist eine kognitive Abkürzung: Menschen schätzen die Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach, wie einfach ein Beispiel aus dem Gedächtnis abgerufen werden kann. Lebhafte, emotionale und jüngste Ereignisse sind leichter verfügbar — und werden deshalb als häufiger und wahrscheinlicher eingestuft.
Folgen für Anlageentscheidungen
Nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 oder dem Fukushima-Unfall 2011 verkauften viele Anleger Luftfahrt- und Energieaktien massiv — obwohl die langfristige Risikoeinschätzung kaum gestiegen war. Das lebhafte Bild des Ereignisses war mental 'verfügbar' und dominierte die Risikowahrnehmung.
Medien und Availability Bias
Intensiv berichtete Ereignisse — Börsencrashs, Unternehmenspleiten, Datenskandale — sind mental besonders verfügbar. Anleger überschätzen die Wahrscheinlichkeit ihres Wiederauftretens. Gleichzeitig werden statistisch häufigere, aber weniger spektakuläre Risiken unterschätzt.
Praktisches Beispiel
Nach der Commerzbank-Krise 2008 mieden Anleger deutsche Bankaktien jahrelang — auch als sich die Fundamentaldaten bereits verbessert hatten. Das Krisenimage war 'verfügbar' und blockierte rationale Neubewertung.
Verwandte Begriffe
- Representativeness Heuristic
- Recency Bias
- Confirmation Bias
Dieser Eintrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Bitte konsultieren Sie bei Anlageentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater.