Aktienleihe (Securities Lending)
Definition
Bei der Aktienleihe überträgt ein Wertpapierbesitzer seine Aktien temporär an einen Entleiher gegen eine Leihgebühr, der diese z. B. für Leerverkäufe nutzt.
Aktienleihe (Securities Lending)
Was ist eine Aktienleihe?
Bei der Aktienleihe (englisch: Securities Lending) überträgt ein institutioneller Investor — häufig ein ETF-Anbieter oder eine Fondsgesellschaft — seine Wertpapiere vorübergehend an einen Entleiher. Der Entleiher zahlt dafür eine Leihgebühr und hinterlegt Sicherheiten (Collateral), meist in Form von Staatsanleihen oder anderen liquiden Wertpapieren.
Ablauf
| Schritt | Beschreibung |
|---|---|
| 1 | Verleiher überträgt Aktien an Entleiher |
| 2 | Entleiher hinterlegt Collateral (105–110 % des Kurswerts) |
| 3 | Entleiher zahlt Leihgebühr (0,05 %–5 % p. a.) |
| 4 | Am Laufzeitende: Rückgabe der Aktien + Collateral-Rückgabe |
Motivation der Akteure
Verleiher (z. B. Vanguard, iShares): Zusatzertrag, der die Gesamtkostenquote (TER) eines ETF senkt. iShares gibt 62,5 % der Leiheinnahmen an den Fonds zurück.
Entleiher (z. B. Hedgefonds): Aktien für Leerverkäufe oder zur Deckung von Short-Positionen.
Zahlenbeispiel
- ETF-Volumen: 1 Mrd. EUR
- Verliehener Anteil: 20 % = 200 Mio. EUR
- Leihgebühr: 0,25 % p. a.
- Jahresertrag: 500.000 EUR → reduziert TER um ~0,05 %
Risiken
- Counterparty-Risiko: Fällt der Entleiher aus, wird das Collateral liquidiert. Durch Übersicherung (105–110 %) ist das Restrisiko gering.
- Collateral-Risiko: Qualität der hinterlegten Sicherheiten entscheidend.
- Dividendenersatz: Entleiher zahlt einen Dividendenäquivalent (manufactured dividend), der steuerlich anders behandelt wird.
ETF-Relevanz
Laut ESMA-Richtlinie dürfen UCITS-ETFs bis zu 100 % des Portfolios verleihen, müssen aber mindestens 90 % der Erträge an den Fonds weitergeben. Praktisch verleihen die meisten Anbieter 10–30 %.
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information. Keine Anlageberatung gemäß §34 WpHG.