Altersvorsorge-Depot: Bundestag beschlossen — Broker erwarten größeren ETF-Boom als bei Corona
Bundestag beschließt staatlich gefördertes Altersvorsorge-Depot. Branche erwartet 10 Mio. neue ETF-Sparer. VWCE bei 144,74 Euro. Start geplant für Anfang 2027.
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Der Bundestag hat das staatlich geförderte Altersvorsorge-Depot beschlossen. Neobroker und Banken rechnen mit zehn Millionen neuen Kunden und einem ETF-Ansturm, der die Corona-Hausse übertreffen könnte. Was steckt hinter dem neuen Depot — und welche ETFs kommen dafür in Frage?
Das staatlich geförderte Altersvorsorge-Depot ist ein neues Sparinstrument, das steuerliche Förderung mit dem Aktienmarkt verbindet. Anleger können Einzahlungen bis zu einer noch festzulegenden Freigrenze steuerlich geltend machen — ähnlich wie beim Riester-Prinzip, aber ohne Garantiezwang und deutlich flexibler.
Der entscheidende Unterschied zu Riester: Das Depot darf vollständig in Aktien und ETFs investiert werden. Kein Kapitalerhalt-Versprechen, dafür volle Aktienmarkt-Rendite.
Warum Broker jetzt zittern und jubeln
"Größerer Boom als bei Corona" — dieser Satz kommt von Brancheninsidern aus der Fintech-Branche. Die Zahlen dahinter: In der Corona-Rallye 2020/2021 eröffneten allein bei Neobroker Trade Republic monatlich Hundertausende neue Konten. Das Altersvorsorge-Depot könnte einen vergleichbaren, aber strukturell nachhaltigeren Ansturm auslösen.
Die Branche schätzt das Potenzial auf rund zehn Millionen neue Sparplandepots in den ersten fünf Jahren. Bei durchschnittlichen Sparraten von 150 Euro im Monat entspräche das einem jährlichen Zufluss von 18 Milliarden Euro — ausschließlich in ETFs und Aktien.
Gleichzeitig wird der Wettbewerb härter. DKB, ING, Comdirect, Trade Republic, Scalable Capital und neue Anbieter werden sich mit Konditionenschlachten um die neuen Kunden bemühen. Sparplangebühren von null Euro werden Standard.
Welche ETFs profitieren?
Für Altersvorsorge-Depots dürften breit diversifizierte Welt-ETFs dominieren. Die bekannteste Option in Deutschland:
- Aktueller Kurs: 144,74 Euro (Stand: 3. April)
- TER: 0,22 Prozent jährlich
- Über 3.700 Aktien aus 50 Ländern
- RSI: 48,06 (neutral)
- Kurs aktuell 1,9 Prozent unter der 50-Tage-Linie (147,54 Euro)
Der VWCE deckt sowohl Industrie- als auch Schwellenländer ab — eine Eigenschaft, die für 30-jährige Sparpläne besonders sinnvoll sein dürfte. Günstigere Alternative im Segment: iShares Core MSCI World ETF (IWDA) mit TER von 0,20 Prozent, allerdings nur Industrieländer.
Kostenvergleich: Darauf sollten Anleger achten
| Kriterium | Wichtig für Altersvorsorge |
|---|---|
| TER | Unter 0,25% — jeder Basispunkt zählt über 30 Jahre |
| Sparplangebühr | Null Euro bevorzugt |
| UCITS-konform | Pflicht für Steuerförderung |
| Thesaurierend | Für Zinseszins-Effekt optimal |
| Depot-Gebühr | Kostenlose Depots bevorzugen |
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Relevanz der TER: Wer 200 Euro monatlich 30 Jahre lang anlegt und dabei 7 Prozent Jahresrendite erzielt, kommt auf rund 243.000 Euro. Mit einem ETF der TER von 0,50 statt 0,20 Prozent verliert er dabei über den Zeitraum knapp 15.000 Euro allein durch Kosten.
Wer profitiert — und wer verliert?
Gewinner: Neobroker mit null-Euro-Sparplänen, ETF-Anbieter (Vanguard, iShares, DWS Xtrackers), Depot-Plattformen mit gutem Mobile-Erlebnis.
Herausgefordert: Klassische Versicherungen mit teuren Fondspolicen. Das neue Depot macht Riester-Renten in ihrer alten Form noch unattraktiver. Die Versicherungsbranche wird reagieren müssen.
Neutral: Aktive Fondsmanager. Das Altersvorsorge-Depot fördert passive ETFs durch niedrige Kosten. Aktive Fonds mit TER über 1,0 Prozent werden kaum von dieser Welle profitieren.
Zeitplan und offene Fragen
Der Bundestag hat das Depot beschlossen — die finale Ausgestaltung der steuerlichen Fördergrenze und Einkommensober grenzen steht noch aus. Die Bundesregierung hat signalisiert, dass der Start für Anfang 2027 geplant ist. Bis dahin werden Neobroker ihre Plattformen optimieren.
EZB-Zinspolitik spielt ebenfalls eine Rolle: Bei fallenden Zinsen wird der Kapitalmarkt für Sparer attraktiver. Der EZB-Entscheid am 17. April könnte das Timing zusätzlich beeinflussen.
Kurzum
Das Altersvorsorge-Depot ist eine strukturelle Wende für die Sparkultur in Deutschland. Zehn Millionen potenzielle neue ETF-Sparer bedeuten Milliarden an Kapitalzuflüssen. Neobroker und Welt-ETFs profitieren am stärksten. Anleger sollten auf TER unter 0,25 Prozent, thesaurierende Struktur und UCITS-Konformität achten — der Rest ergibt sich aus dem Zinseszins.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Altersvorsorge-Depot und wie funktioniert es?
Das staatlich geförderte Altersvorsorge-Depot ist ein neues Sparinstrument, das steuerliche Vergünstigungen mit freier ETF-Anlage kombiniert. Anders als Riester gibt es keinen Kapitalgarantiezwang. Einzahlungen bis zu einem noch festzulegenden Betrag sollen steuerlich absetzbar sein. Der Start ist für Anfang 2027 geplant.
Welche ETFs eignen sich für das Altersvorsorge-Depot?
Breite Welt-ETFs wie der Vanguard FTSE All-World (ISIN IE00B3RBWM25, TER 0,22%) oder der iShares Core MSCI World (ISIN IE00B4L5Y983, TER 0,20%) gelten als Standardlösung. Entscheidend sind niedrige laufende Kosten, da jeder Basispunkt über 30 Jahre Zehntausende Euro Unterschied machen kann.
Wie viele neue ETF-Sparer sind durch das Altersvorsorge-Depot zu erwarten?
Brancheninsider aus dem Neobroker-Segment schätzen das Potenzial auf rund zehn Millionen neue Sparplandepots in den ersten fünf Jahren. Bei monatlichen Sparraten von durchschnittlich 150 Euro entspräche das jährlichen ETF-Zuflüssen von rund 18 Milliarden Euro.
Was bedeutet das für klassische Riester-Sparer?
Das neue Depot macht die klassische Riester-Rente in ihrer bisherigen Form noch unattraktiver. Riester-Verträge haben durch den Kapitalerhalt-Zwang und hohe Kosten strukturelle Nachteile. Eine Übertragung bestehender Riester-Guthaben in das neue Depot ist noch nicht geregelt.
Wann startet das Altersvorsorge-Depot?
Der Start ist nach aktuellem Planungsstand für Anfang 2027 vorgesehen. Die genaue steuerliche Ausgestaltung und Förderhöchstbeträge stehen noch nicht final fest.
Erwähnte Aktien
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar und dient lediglich Informationszwecken. Alle Angaben ohne Gewähr. Die Meinungen und Einschätzungen können sich jederzeit ändern.
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