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04. April 20265 Min. Lesezeit

MSCI World Ausschütter oder Thesaurierer? Dieser Unterschied kostet 20.000 Euro

Thesaurierer-ETFs liefern bei 500 EUR/Monat und 20 Jahren bis zu 21.000 EUR mehr als Ausschütter. Steuerstundungseffekt erklärt den Unterschied. Ausschütter lohnen erst in der Entnahmephase.

FinAtlas Redaktion

Ein 500-Euro-Sparplan in den MSCI World — das klingt nach einer einfachen Entscheidung. Thesaurierer oder Ausschütter? Viele Anleger greifen zur Ausschüttungsvariante. Das kann über 20 Jahre einen Unterschied von mehr als 20.000 Euro ausmachen. Ein thesaurierender ETF reinvestiert alle Dividenden automatisch. Der Kurs steigt, weil die Erträge sofort wieder angelegt werden. Steuern auf Dividenden fallen erst beim Verkauf an — oder im Rahmen der jährlichen Vorabpauschale, die deutlich kleiner ist als die Steuer auf ausgeschüttete Dividenden.

Ein ausschüttender ETF zahlt Dividenden regelmäßig auf das Depot-Konto aus — meist einmal oder viermal pro Jahr. Diese Ausschüttungen unterliegen sofort der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag. Der Gesamtsteuersatz liegt bei 26,375 Prozent.

So entsteht der 20.000-Euro-Unterschied

Ein Rechenbeispiel: Sparplan 500 Euro monatlich, 20 Jahre Laufzeit, MSCI World mit 8 Prozent Jahresrendite, Dividendenrendite 2 Prozent.

Beim Ausschütter werden jährlich 2 Prozent des Portfoliowertes ausgeschüttet. Auf diese Beträge fällt Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent an. Das Geld steht danach zwar auf dem Konto — aber der Zinseszinseffekt auf den versteuerten Betrag ist geringer.

Nach 20 Jahren beträgt der Unterschied im Endvermögen je nach Startjahr und Freibetrag-Ausschöpfung zwischen 15.000 und 22.000 Euro. Die häufig zitierte Zahl von 20.000 Euro ist ein realistischer Mittelwert für genau dieses Szenario.

Wichtig: Der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (Einzelperson) beziehungsweise 2.000 Euro (Zusammenveranlagung) mildert den Nachteil in frühen Jahren. Erst wenn die jährlichen Ausschüttungen den Freibetrag übersteigen, greift die volle Steuer.

So rechnet sich der Thesaurierer

JahrDepotwert (Thesaurierer)Depotwert (Ausschütter)Differenz
5ca. 36.000 €ca. 35.500 €ca. 500 €
10ca. 89.000 €ca. 87.000 €ca. 2.000 €
20ca. 277.000 €ca. 256.000 €ca. 21.000 €

Basis: 500 €/Monat, 8% p.a., Dividendenrendite 2%, Abgeltungsteuer 26,375%, Freibetrag nicht berücksichtigt. Modellrechnung.

Häufige Fehler von Einsteigern

Fehler 1: Ausschütter wegen der regelmäßigen Einnahmen wählen. Bei einem Sparplan in der Aufbauphase braucht niemand regelmäßige Ausschüttungen — das Geld soll wachsen, nicht verteilt werden. Ausschütter machen Sinn, wenn das Portfolio die Lebenshaltungskosten im Alter finanzieren soll.

Fehler 2: ISIN-Unterschiede ignorieren. Der iShares Core MSCI World ETF (ISIN IE00B4L5Y983) ist thesaurierend. Der entsprechende Ausschütter hat eine andere ISIN. Wer beim Depot-Eröffnen die falsche Variante kauft, merkt das erst nach der ersten Steuererklärung.

Fehler 3: Den Freibetrag falsch einsetzen. Wer den Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro noch nicht voll ausschöpft, sollte ihn zuerst für Zinserträge oder andere Ausschüttungen einsetzen. Erst wenn der Freibetrag erschöpft ist, wird der Thesaurierer-Vorteil maximal.

Wann der Ausschütter sinnvoll ist

In der Entnahmephase dreht sich der Vorteil um. Wer monatlich vom Depot leben will, profitiert davon, dass der Ausschütter Cashflow liefert — ohne dass er Anteile verkaufen muss. Das vermeidet Transaktionskosten und ist psychologisch einfacher.

Außerdem: Wer bereits über dem Sparerpauschbetrag liegt und trotzdem ausschüttet, hat den Steuernachteil bereits — aber er erhält laufendes Geld, mit dem er flexibel umgehen kann.

Verwandte Begriffe

  • Vorabpauschale: Jährliche Mindestbesteuerung für thesaurierende ETFs. Sie ist kleiner als die Dividendensteuer beim Ausschütter, aber nicht null.
  • Steuerstundung: Thesaurierende ETFs verschieben die volle Steuerlast in die Zukunft. Das steigert den Zinseszinseffekt erheblich.
  • Basiszins: Bestimmt die Höhe der Vorabpauschale. 2025 lag er bei 2,29 Prozent. Kurzum: Wer einen MSCI World ETF als Sparplan über 20 Jahre bespielt, fährt mit dem Thesaurierer deutlich besser — der Unterschied kann mehr als 20.000 Euro betragen. Ausschütter lohnen sich erst in der Entnahmephase oder wenn der Sparerpauschbetrag noch nicht ausgeschöpft ist.

Häufig gestellte Fragen

Was ist besser: MSCI World Ausschütter oder Thesaurierer?

Für die Aufbauphase ist der Thesaurierer in aller Regel vorteilhafter. Dividenden werden automatisch reinvestiert, und die Steuerlast fällt erst später an. Über einen Zeitraum von 20 Jahren mit einem 500-Euro-Sparplan kann der Vorteil 15.000 bis 22.000 Euro betragen.

Muss ich beim Thesaurierer trotzdem Steuern zahlen?

Ja. Seit 2018 gilt in Deutschland die Vorabpauschale: Thesaurierende ETFs werden jährlich mit einem kleinen Betrag besteuert, der vom Basiszins abhängt. 2025 lag der Basiszins bei 2,29 Prozent. Dieser Betrag ist deutlich kleiner als die sofortige Dividendensteuer beim Ausschütter.

Welche ISIN hat der thesaurierende MSCI World ETF von iShares?

Der iShares Core MSCI World ETF (Acc) hat die ISIN IE00B4L5Y983. Er ist irisch domiziliert, thesaurierend und mit einer TER von 0,20 Prozent einer der günstigsten in seiner Kategorie.

Ab wann lohnt sich ein Ausschütter?

In der Entnahmephase — also wenn das Depot Lebenshaltungskosten ersetzen soll. Dann liefert der Ausschütter regelmäßigen Cashflow, ohne dass Anteile verkauft werden müssen. Auch wenn der Sparerpauschbetrag noch nicht ausgeschöpft ist, können Ausschüttungen steuerfrei vereinnahmt werden. Alle hier veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältiger Recherche der Redaktion. Wir beziehen unsere Daten aus Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Trotz größter Sorgfalt bei der Erstellung der Beiträge übernehmen wir keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit von Daten und Informationen.

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Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar und dient lediglich Informationszwecken. Alle Angaben ohne Gewähr. Die Meinungen und Einschätzungen können sich jederzeit ändern.

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