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28. März 20265 Min. Lesezeit

Benzin kostet 2,13 Euro, Diesel 2,30 Euro: Was der Iran-Krieg an der Zapfsäule bedeutet

Iran-Krieg treibt Spritpreise: Super +30 Cent auf 2,13 Euro, Diesel +55 Cent auf 2,30 Euro seit Kriegsbeginn. Houthis heute eingetreten. Bundesregierung plant Preisdeckel, G7 gibt strategische Ölreserven frei.

FinAtlas Redaktion

Super kostet 2,13 Euro pro Liter. Diesel sogar 2,30 Euro. Vor dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 waren es noch 1,83 Euro und 1,75 Euro. In weniger als einem Monat stiegen die Spritpreise um bis zu 55 Cent pro Liter. Und die Eskalation geht weiter: Am heutigen Samstag traten die Houthis mit Raketenangriffen in den Konflikt ein.

Aktueller Benzinpreis Deutschland (Stand 28.03.2026):

KraftstoffPreis heuteVor Iran-KriegVeränderung
Super E102,13 Euro1,83 Euro+30 Cent (+16,4%)
Diesel2,30 Euro1,75 Euro+55 Cent (+31,4%)

Quellen: benzinpreis-aktuell.de (28.03.2026), NDR (28.03.2026). Vor Iran-Krieg: Marktransparenzstelle für Kraftstoffe via NDR.

Diesel stieg dabei stärker als Benzin — eine Besonderheit. Deutschland ist beim Diesel stärker auf Importe angewiesen. Benzin produzieren heimische Raffinerien weitgehend selbst. Auslandsimporte reagieren schneller auf globale Rohölpreis-Schocks.

Was steckt dahinter: Hormus-Straße und Öl über 100 Dollar

Der direkte Treiber ist der Ölpreis. WTI-Rohöl notiert am 28. März 2026 bei 99,64 Dollar pro Barrel — Daten: yfinance. Das ist ein Anstieg von 34 Prozent gegenüber dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 74,01 Dollar. Brent-Rohöl erreichte zwischenzeitlich knapp 120 Dollar.

Der Grund liegt in der Geopolitik. Die Straße von Hormus ist seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran de facto blockiert. Die Iranische Revolutionsgarde kündigte an, jedes Schiff unter Beschuss zu nehmen. Durch diese Meerenge fließen normalerweise rund 20 Prozent des weltweit verschifften Rohöls, wie die NDR-Berichterstattung belegt.

Heute neu: Die Houthis feuerten am Samstag ballistische Raketen auf Israel — ihr Eintritt in den Krieg, wie Bloomberg berichtete. Das könnte die Öllieferwege im Roten Meer erneut gefährden.

Dazu kommt der sogenannte Rakete-und-Feder-Effekt: Bei steigenden Einkaufskosten steigen Verbraucherpreise sofort — bei sinkenden Einkaufskosten fallen sie nur langsam, erklärt Alexander von Gersdorff vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie gegenüber dem WDR.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Tanken: Wer 50 Liter Diesel tankt, zahlt heute 115 Euro statt früher 87,50 Euro — 27,50 Euro mehr pro Tankfüllung. Bei zweimal Tanken pro Monat summiert sich das auf 55 Euro Mehrkosten monatlich.

Heizöl: Auch Heizöl kletterte im Kielwasser des Rohölpreises. Im Vorjahr hatte es laut heizoel24 nahezu durchgängig unter einem Euro pro Liter gelegen. Der aktuelle Stand dürfte deutlich darüber liegen.

Inflation: Steigende Spritpreise erhöhen Transportkosten für Güter. Das schlägt auf die Supermarktpreise durch. Die Inflationsrate für März 2026 dürfte den Anstieg widerspiegeln — offizielle Daten des Statistischen Bundesamts stehen noch aus.

Staatseinnahmen: Bei einem Preis von 2 Euro pro Liter fließt rund die Hälfte in die Staatskasse — über Energiesteuer, Mehrwertsteuer und CO2-Abgabe, wie der ADAC analysiert. Der Staat verdient also bei teurerem Sprit automatisch mehr, obwohl die fixen Abgaben gleichbleiben.

Expertenstimmen und Regierungsmaßnahmen

Die Bundesregierung hat reagiert. Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) kündigte an: Preiserhöhungen an Tankstellen sollen künftig nur noch einmal täglich zulässig sein. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich. Dafür ist eine Änderung des Kartellrechts nötig — ein Datum steht noch nicht fest.

Ökonom Jens Südekum, Berater von SPD-Finanzminister Lars Klingbeil, geht laut n-tv weiter: Staatlich regulierte Spritpreise seien "der nächste Schritt".

Bundeskartellamt-Chef Andreas Mundt dämpfte hingegen Erwartungen: "Es gibt kein Instrumentarium, um geopolitisch getriebene Preissteigerungen quasi auf Knopfdruck zu verhindern." Auch die G7-Staaten haben die Freigabe strategischer Ölreserven beschlossen — eine Maßnahme, die zuletzt 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eingesetzt wurde.

Gold fällt trotz Krise — ein Paradox

Ein Phänomen irritiert Marktbeobachter: Gold, traditionell der "sichere Hafen" in Krisenzeiten, verlor seit dem Allzeithoch von 5.586 Dollar je Feinunze rund 20 Prozent — aktuell notiert Gold bei 4.492 Dollar/oz (Daten: yfinance, 28.03.2026). Laut Bloomberg kaufen erste "Dip-Buyer" — Schnäppchenjäger — den Markt knapp vor der Bear-Market-Schwelle von minus 20 Prozent. Der RSI für Gold liegt bei 37,49 — der untere Rand des neutralen Bereichs. Das Manager Magazin erklärte den Rückgang mit Gewinnmitnahmen und Dollar-Stärke.

Ausblick: Alles hängt am Iran

Wie es an der Zapfsäule weitergeht, hängt fast ausschließlich vom Fortgang des Konflikts ab. US-Präsident Trump deutete mehrfach ein baldiges Kriegsende an — was den Ölpreis zeitweise auf unter 90 Dollar drückte. Die heutige Houthi-Eskalation könnte diese Erholung zunichtemachen.

Kurzum: Sprit ist 30 bis 55 Cent teurer als vor dem Iran-Krieg — der größte Preisschock seit 2022. Politische Gegenmaßnahmen wie der Tagespreisdeckel sind in Arbeit, greifen aber noch nicht. Für Verbraucher bedeutet das: Kraftstoff-Kosten im Blick behalten und wenn möglich auf günstigere Tankzeiten ausweichen — der Abend ist in der Regel billiger als der Morgen. Alle hier veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältiger Recherche der Redaktion. Wir beziehen unsere Daten aus Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Trotz größter Sorgfalt bei der Erstellung der Beiträge übernehmen wir keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit von Daten und Informationen.

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