ZEW-Index (Konjunkturerwartungen)
Definition
Der ZEW-Index misst monatlich die Konjunkturerwartungen von rund 350 institutionellen Investoren und Analysten für Deutschland und ist ein viel beachteter Frühindikator an den europäischen Finanzmärkten.
Was ist der ZEW-Index?
Der ZEW-Index für Konjunkturerwartungen wird vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim erhoben. Jeden Monat befragt das Institut rund 350 institutionelle Investoren, Analysten und Ökonomen nach ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland für die nächsten sechs Monate.
Methodik und Berechnung
Die Befragten bewerten die erwartete Konjunkturentwicklung als „besser", „gleich" oder „schlechter". Der ZEW-Index ergibt sich als Saldo: Anteil der Optimisten minus Anteil der Pessimisten. Das Ergebnis kann zwischen –100 (alle pessimistisch) und +100 (alle optimistisch) liegen.
Neben den Konjunkturerwartungen veröffentlicht das ZEW auch die Lagebeurteilung, die die aktuelle wirtschaftliche Situation Deutschlands beschreibt. Beide Subindizes zusammen geben ein vollständiges Bild des Investorensentiments.
Veröffentlichungsrhythmus
Der ZEW-Index erscheint jeden Monat, in der Regel am zweiten Dienstag des Monats um 11:00 Uhr MEZ. Die Umfrage findet in der Woche zuvor statt. Damit ist der ZEW-Index einer der ersten harten Frühindikatoren im Monat – oft erscheint er noch vor dem ifo-Index.
Bedeutung für die Finanzmärkte
Institutionelle Marktteilnehmer reagieren unmittelbar auf die ZEW-Veröffentlichung. Ein überraschend starker Anstieg des Erwartungsindexes gilt als bullishes Signal für DAX und Euro/Dollar. Umgekehrt drücken enttäuschende Zahlen oft auf die Stimmung an den Börsen.
Besonders beachtet wird die Abweichung vom Konsens: Bloomberg und Reuters veröffentlichen im Vorfeld Analystenschätzungen. Weicht der tatsächliche Wert deutlich ab, reagieren Kurse und Devisenkurs häufig kräftig.
ZEW-Index vs. ifo-Index
| Merkmal | ZEW-Index | ifo-Index |
|---|---|---|
| Befragt werden | Finanzexperten | Unternehmen |
| Fokus | Erwartungen | Lage + Erwartungen |
| Timing | 2. Dienstag | letzter Montag |
| Vorlaufzeit | hoch | mittel |
Historische Beispiele
- 2011 (Eurokrise): ZEW-Erwartungen sackten auf –56,6 Punkte ab – Vorbote einer deutlichen Konjunkturabkühlung.
- 2020 (Corona): Kollaps auf –49,5 im März, schnelle V-förmige Erholung auf +84,4 im September.
- 2022 (Ukraine-Krieg): Innerhalb eines Monats fiel der Index von +54,3 auf –39,3 – einer der schnellsten Einbrüche seit Bestehen des Indikators.
Interpretation für Anleger
Der ZEW-Index ist ein Sentimentindikator, kein harter Wirtschaftsdaten-Indikator. Er spiegelt die Erwartungen professioneller Marktteilnehmer wider – und kann sich schnell drehen. Anleger sollten ihn als Ergänzung zu ifo-Index, PMI und BIP-Daten nutzen, nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar (§34 WpHG).