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Shiller-KGV (CAPE Ratio)

Definition

Das Shiller-KGV (Cyclically Adjusted Price-to-Earnings Ratio, CAPE) setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum inflationsbereinigten Durchschnittsgewinn der vergangenen 10 Jahre. Es glättet konjunkturelle Schwankungen und gilt als verlässlicher Langzeitindikator für die Marktbewertung.

Was ist das Shiller-KGV?

Das Shiller-KGV, entwickelt vom Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller, ist eine Weiterentwicklung des klassischen Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV). Während das herkömmliche KGV nur auf den Gewinn eines einzigen Jahres zurückgreift, verwendet das CAPE den inflationsbereinigten Durchschnittsgewinn der letzten 10 Jahre — daher die Bezeichnung "cyclically adjusted" (konjunkturbereinigt).

Formel

$$\text{Shiller-KGV} = \frac{\text{Aktueller Kurs}}{\text{Ø inflationsbereinigter Gewinn der letzten 10 Jahre}}$$

Der Zehnjahresdurchschnitt wird üblicherweise mit dem CPI (Consumer Price Index) auf heutige Kaufkraft hochgerechnet.

Interpretation

CAPE-WertBewertung
< 15Historisch günstig
15–25Fair bewertet
25–30Leicht überbewertet
> 30Deutlich überbewertet

Historisch lag das CAPE des S&P 500 im Durchschnitt bei rund 17. Im Vorfeld großer Crashs — wie der Dotcom-Blase (2000: CAPE ~44) oder dem Schwarzen Dienstag 1929 — erreichte es Extremwerte. Im März 2024 notierte das US-CAPE bei über 34, was viele Analysten als Warnsignal werteten.

Stärken des Shiller-KGV

  • Glättet Ausreißerjahre: Einmalige Sondereffekte (Pandemiegewinne, Abschreibungen) verzerren das Ergebnis nicht.
  • Langfristige Prognosekraft: Studien zeigen eine negative Korrelation zwischen hohem CAPE und künftigen 10-Jahres-Renditen.
  • International vergleichbar: Anleger nutzen CAPE, um verschiedene Märkte wie DAX, S&P 500 oder MSCI Emerging Markets gegenüberzustellen.

Schwächen und Kritik

  • Geänderte Rechnungslegung: Seit den 1990ern haben sich Bilanzierungsstandards (US-GAAP) verschärft — historische Gewinnzahlen sind nur eingeschränkt vergleichbar.
  • Zinsumfeld wird ignoriert: In einem Niedrigzinsumfeld können höhere KGVs fundamental gerechtfertigt sein ("Fed Model").
  • Timing-Instrument untauglich: Ein hohes CAPE kann Jahre, sogar ein Jahrzehnt, bestehen bleiben, bevor eine Korrektur einsetzt.
  • Strukturwandel: Tech-Dominanz im S&P 500 hat die Gewinnmarge dauerhaft angehoben — ältere Durchschnittswerte sind möglicherweise nicht mehr repräsentativ.

Praxisbeispiel

Ein Investor analysiert im Jahr 2024 den S&P 500 mit einem CAPE von 34. Der historische Mittelwert liegt bei 17. Gemäß Mean-Reversion-These ergibt sich ein rechnerisches Korrekturpotenzial von ~50 % — oder alternativ eine Phase stagnierender Kurse bei weiter wachsenden Gewinnen. Als Ergänzung zu anderen Bewertungsmodellen (KBV, EV/EBITDA, DCF) liefert das CAPE wertvolle Kontextinformation.


Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. § 34 WpHG.

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