Reversal-Effekt (Kursumkehr)
Definition
Der Reversal-Effekt bezeichnet die Tendenz, dass kurzfristig (1 Monat) überdurchschnittliche Verlierer-Aktien im Folgemonat outperformen — das Gegenteil des Momentum-Effekts.
Reversal-Effekt
Was ist der Reversal-Effekt?
Der Kursumkehr-Effekt (Reversal) existiert in zwei Zeithorizonten:
- Short-Term Reversal (Jegadeesh, 1990): Aktien mit schlechtester 1-Monats-Performance schlagen im nächsten Monat den Markt
- Long-Term Reversal (De Bondt/Thaler, 1985): Aktien mit schlechtester 3–5-Jahres-Performance outperformen in den folgenden 3–5 Jahren
Mechanismus
Short-Term: Überreaktion auf kurzfristige Nachrichten + Liquiditätsbedarf institutioneller Anleger → kurzfristige Fehlbepreisungen
Long-Term: Übertriebener Pessimismus → Mean Reversion fundamentaler Bewertungsunterschiede (De Bondt/Thaler: "Investors overreact")
Statistik (S&P 500, 1990–2023)
Short-Term Reversal
- Verlierer-Dezil (1M): nächster Monat +1,8 % vs. Markt
- Gewinner-Dezil (1M): nächster Monat −0,9 % vs. Markt
Long-Term Reversal
- Verlierer-Portfolio (3J): nächste 3 Jahre +7,4 % p. a.
- Gewinner-Portfolio (3J): nächste 3 Jahre +4,1 % p. a.
Paradox: Reversal vs. Momentum
| Horizont | Effekt |
|---|---|
| 1 Monat | Reversal (Verlierer gewinnen) |
| 3–12 Monate | Momentum (Gewinner gewinnen) |
| 3–5 Jahre | Reversal (Verlierer gewinnen wieder) |
Handelskosten-Problem
Short-Term Reversal erfordert monatliches Rebalancing. Nach Transaktionskosten und Spread (besonders bei illiquiden Titeln) verschwindet die Prämie oft vollständig. Nur institutionell mit niedrigen Kosten erzielbar.
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information. Keine Anlageberatung gemäß §34 WpHG.