Quick Ratio (Liquiditätsgrad 2)
Definition
Die Quick Ratio (Liquiditätsgrad 2, Acid-Test Ratio) misst die sofortige Zahlungsfähigkeit: Sie setzt liquide Mittel und Forderungen ins Verhältnis zu kurzfristigen Verbindlichkeiten — ohne Vorräte, die nicht schnell liquidierbar sind.
Was ist die Quick Ratio?
Die Quick Ratio — auch Liquiditätsgrad 2 oder Acid-Test Ratio genannt — ist eine verschärfte Variante der Current Ratio. Sie misst die Fähigkeit eines Unternehmens, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten zu begleichen, ohne auf den Verkauf von Vorräten angewiesen zu sein. Damit liefert sie ein realistischeres Bild der unmittelbaren Zahlungsfähigkeit.
Formel
Quick Ratio = (Umlaufvermögen − Vorräte) / kurzfristige Verbindlichkeiten
Alternativ wird häufig die direkte Variante verwendet:
Quick Ratio = (Barmittel + kurzfristige Wertpapiere + Forderungen) / kurzfristige Verbindlichkeiten
Vorräte werden bewusst ausgeschlossen, da ihre Liquidierbarkeit unsicher ist — insbesondere in wirtschaftlichen Krisenzeiten können Lagerbestände nur mit erheblichen Abschlägen veräußert werden.
Interpretation
| Wert | Bewertung |
|---|---|
| > 1,5 | Sehr stark, hohe Liquiditätsreserven |
| 1,0 – 1,5 | Solide — empfohlener Bereich für die meisten Branchen |
| 0,7 – 1,0 | Grenzwertig — erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich |
| < 0,7 | Kritisch — potenzielle Liquiditätsengpässe |
Ein Wert von 1,0 oder darüber gilt als Mindeststandard: Das Unternehmen kann sämtliche kurzfristigen Verpflichtungen allein aus liquiden Mitteln und Forderungen decken — ohne einen einzigen Vorrat zu verkaufen.
Praxisbeispiel
Ein Maschinenbauunternehmen weist folgende Bilanzposten aus:
- Barmittel: 1,2 Mrd. Euro
- Forderungen: 2,8 Mrd. Euro
- Vorräte: 3,5 Mrd. Euro
- Kurzfristige Verbindlichkeiten: 3,0 Mrd. Euro
Current Ratio = (1,2 + 2,8 + 3,5) / 3,0 = 2,50 (sieht hervorragend aus)
Quick Ratio = (1,2 + 2,8) / 3,0 = 1,33 (nach wie vor solide, aber deutlich nüchterner)
Dieser Unterschied zeigt: Der scheinbar komfortable Wert der Current Ratio wird wesentlich durch den hohen Lagerbestand getragen — ein Risikofaktor, der die Quick Ratio offenlegt.
Quick Ratio vs. Current Ratio
Die Quick Ratio ist konservativer und aussagekräftiger für die sofortige Liquidität. Die Current Ratio berücksichtigt alle Umlaufgüter, die Quick Ratio nur die schnell verfügbaren. Für eine vollständige Liquiditätsanalyse empfiehlt sich die Betrachtung beider Kennzahlen im Zusammenhang mit dem Working Capital und dem Free Cashflow.
Branchenvergleich
Technologieunternehmen weisen oft sehr hohe Quick Ratios auf (3,0+), da sie kaum physische Vorräte halten. Handelsunternehmen können dagegen mit Werten unter 0,5 operieren — und dennoch profitabel sein, solange der Lagerumschlag hoch ist.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionsentscheidungen sollten stets auf Basis einer umfassenden Analyse getroffen werden. Gemäß § 34 WpHG wird darauf hingewiesen, dass der Autor keine Positionen in den genannten Wertpapieren hält.