Notching bei Unternehmensratings
Definition
Notching bezeichnet die Praxis von Ratingagenturen, einzelne Schuldinstrumente eines Emittenten unterschiedlich zu raten, basierend auf ihrer Seniorität in der Kapitalstruktur. Senior Secured Anleihen erhalten typischerweise 1-2 Notches bessere Ratings als Senior Unsecured oder Nachranganleihen.
Was ist Notching?
Das Rating eines Unternehmens (Issuer Rating) beschreibt die allgemeine Kreditwürdigkeit. Die Instrumente-Ratings (Issue Ratings) können davon abweichen, abhängig von:
- Seniorität: Position im Waterfall (wer wird zuerst bedient?)
- Besicherung: Ist das Instrument durch Assets gesichert?
- Covenants: Vertragliche Schutzklauseln
- Laufzeit: Kurzfristige vs. langfristige Schulden
Notching-Tabelle (S&P Methodik, vereinfacht)
| Instrument | Notching vs. Issuer Rating |
|---|---|
| Senior Secured First Lien | +1 bis +2 Notches |
| Senior Secured Second Lien | 0 bis +1 Notches |
| Senior Unsecured | 0 (entspricht Issuer Rating) |
| Subordinated / Nachrangig | -1 bis -2 Notches |
| Hybrid / PIK | -2 bis -3 Notches |
| Preferred Equity | -2 bis -4 Notches |
Praxisbeispiel
Emittent mit Issuer Rating BBB (S&P):
- Senior Secured Term Loan: BBB+ oder A-
- Senior Unsecured Bond: BBB (gleich wie Issuer)
- Subordinated Note: BB+ oder BB
- Hybridanleihe: BB- oder B+
Warum Notching wichtig ist
Für Investoren hat das Instrument-Rating direkte Konsequenzen: Viele Fonds und Versicherungen haben Mindestratings für ihre Portfolioallokation. Ein Senior Secured Instrument kann durch Up-Notching Investment Grade sein, obwohl der Emittent High Yield ist – das öffnet es für breitere Investorenbasis.
Recovery-basiertes Notching
Moody's nutzt explizit Recovery Rates für das Notching: Ein Instrument mit erwarteter Recovery >70 % erhält Up-Notching, eines mit Recovery <20 % wird down-genotcht. Dieser quantitative Ansatz macht die Methodik transparenter.
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Gemäß §34 WpHG wird darauf hingewiesen, dass der Autor Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten kann.