Net Stable Funding Ratio (NSFR)
Definition
Die Net Stable Funding Ratio (NSFR) ist eine Basel III-Liquiditätskennzahl, die sicherstellen soll, dass Banken ihre langfristigen Aktiva mit ausreichend stabiler Refinanzierung unterlegen.
Einführung und Ziel
Die Net Stable Funding Ratio wurde von Basel III eingeführt, um strukturelle Liquiditätsrisiken zu begrenzen. Ziel ist es, kurzfristige Refinanzierung langfristiger Aktiva – ein zentrales Merkmal der Bankentätigkeit (Fristentransformation) – auf ein vertretbares Maß zu beschränken.
Berechnung
NSFR = Available Stable Funding (ASF) / Required Stable Funding (RSF) × 100. Die NSFR muss mindestens 100 % betragen.
Available Stable Funding (ASF) sind stabile Refinanzierungsquellen: Eigenkapital (100 %), langfristige Einlagen privater Kunden (95 %), kurzfristige Privateinlagen (90 %), langfristige institutionelle Einlagen > 1 Jahr (50 %).
Required Stable Funding (RSF) sind stable Finanzierungsanforderungen für Aktiva: Staatsanleihen (5 %), Hypothekarkredite > 1 Jahr Restlaufzeit (65 %), Unternehmenskredite > 1 Jahr (65 %), kurzfristige Forderungen an Banken (10–15 %).
Unterschied zur LCR
Die Liquidity Coverage Ratio (LCR) misst die kurzfristige Liquiditätsstabilität (30-Tage-Stresshorizont). Die NSFR ergänzt die LCR durch eine strukturelle 1-Jahres-Perspektive. Beide Kennzahlen müssen europäische Banken seit 2021 erfüllen (EU CRR2).
Aktuelle NSFR-Quoten
Deutsche Banken halten NSFR-Quoten gut über der Mindestanforderung. Deutsche Bank und Commerzbank wiesen 2023 NSFR-Quoten von 120–130 % aus. Der EZB-Durchschnitt aller direkt beaufsichtigten Banken lag bei rund 127 %.
Herausforderungen
Eine zu hohe NSFR kann die Rentabilität belasten, da stabile langfristige Refinanzierung teurer ist als kurzfristige. Investmentbanken mit hohem Handelsbuch-Anteil stehen vor besonderen Herausforderungen, da kurzfristige Refinanzierung im Handelsbuch (Repo-Geschäfte) wenig ASF-Punkte ergibt.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.