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Natürliche Arbeitslosenquote (NAIRU)

Definition

Die natürliche Arbeitslosenquote (NAIRU — Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment) bezeichnet jene Arbeitslosenquote, bei der die Inflation stabil bleibt und sich weder beschleunigt noch verlangsamt. Sie ist ein zentrales Konzept der Geldpolitik und der moderne Nachfolger von Friedmans "natürlicher Rate".

Definition

Die natürliche Arbeitslosenquote — in der modernen Makroökonomie meist als NAIRU bezeichnet — ist der Gleichgewichtswert der Arbeitslosigkeit, bei dem die Inflationsrate stabil ist. Sie wurde ursprünglich von Milton Friedman und Edmund Phelps in den 1960er Jahren als Gegenentwurf zur einfachen Phillips-Kurve entwickelt.

Der Begriff "natürlich" bedeutet nicht, dass diese Arbeitslosigkeit wünschenswert ist — sondern dass sie strukturell bedingt ist und nicht dauerhaft durch expansive Geldpolitik gesenkt werden kann.

Komponenten der natürlichen Arbeitslosigkeit

Die NAIRU setzt sich aus verschiedenen Formen der Arbeitslosigkeit zusammen:

  • Friktionelle Arbeitslosigkeit: Kurzzeitige Arbeitslosigkeit durch Jobwechsel, Berufseinsteiger, geografische Mobilität
  • Strukturelle Arbeitslosigkeit: Mismatch zwischen verfügbaren Stellen und Qualifikationen der Arbeitslosen (z.B. durch Digitalisierung, Deindustrialisierung)

Explizit nicht enthalten ist die konjunkturelle Arbeitslosigkeit (zyklische Arbeitslosigkeit) — diese kann durch Geldpolitik beeinflusst werden.

NAIRU vs. Vollbeschäftigung

Vollbeschäftigung bedeutet in der Volkswirtschaftslehre nicht 0 % Arbeitslosigkeit. In einem dynamischen Arbeitsmarkt sind immer einige Menschen vorübergehend zwischen Jobs. Die NAIRU wird in entwickelten Volkswirtschaften typischerweise auf 3–6 % geschätzt, variiert aber stark nach Land und Zeitraum.

  • USA: Die Fed schätzt die NAIRU auf etwa 4–4,5 %
  • Deutschland: Aufgrund starker Tarifbindung und Strukturreformen (Hartz IV) liegt sie eher bei 3–4 %
  • Eurozone gesamt: Heterogener, strukturell höher durch unterschiedliche Arbeitsmärkte

Geldpolitische Bedeutung

Zentralbanken vergleichen die tatsächliche Arbeitslosenquote ständig mit der geschätzten NAIRU:

  • Arbeitslosigkeit < NAIRU → Überhitzung, Lohndruck, Inflation droht → Zinserhöhungen wahrscheinlicher
  • Arbeitslosigkeit > NAIRU → Unterauslastung, Desinflation → expansive Geldpolitik

Die Fed nennt ihren Schätzwert öffentlich im Summary of Economic Projections (SEP), bekannt als "dot plot". Die EZB veröffentlicht analoge NAIRU-Schätzungen im Economic Bulletin.

Marktrelevanz

  • US-Jobdaten (Nonfarm Payrolls, Unemployment Rate) werden monatlich am ersten Freitag veröffentlicht und sind einer der marktwirksamsten Datenpunkte weltweit
  • Unterschreitet die Arbeitslosigkeit die NAIRU-Schätzung überraschend stark, reagieren Zinsmärkte mit höheren Zinserwartungen → Anleiherenditen steigen, Aktien unter Druck
  • Lohnwachstum (Average Hourly Earnings in den USA) gilt als direkterer NAIRU-Indikator als die Arbeitslosenquote selbst

Grenzen und Kritik

Die NAIRU ist nicht beobachtbar und wird ex post stark revidiert. In den Jahren 2018–2019 lag die US-Arbeitslosigkeit dauerhaft unter der damaligen NAIRU-Schätzung (~4,5 %), ohne dass sich die Inflation stark beschleunigte — was auf eine Überschätzung der NAIRU hindeutete. Strukturwandel, Globalisierung und Digitalisierung verändern die NAIRU dynamisch.


Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte beachten Sie die gesetzlichen Risikohinweise gemäß § 34 WpHG.

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