Marktbreite (Market Breadth)
Definition
Die Marktbreite misst, wie viele Wertpapiere an einer Kursbewegung des Gesamtmarkts teilnehmen. Sie zeigt, ob ein Trend von einer breiten Masse an Titeln getragen wird oder nur von wenigen Schwergewichten.
Was ist die Marktbreite?
Die Marktbreite (englisch: Market Breadth) ist ein Sammelbegriff für Indikatoren, die beschreiben, wie viele Einzelwerte an der aktuellen Marktbewegung partizipieren. Sie ergänzt reine Preisindizes wie den DAX oder S&P 500 um eine qualitative Dimension: Steigt der Index wirklich breit getragen oder ziehen nur wenige Schwergewichte den Durchschnitt nach oben?
Berechnung und Grundprinzip
Die einfachste Kennzahl der Marktbreite ist das Advance/Decline-Verhältnis:
Marktbreite = Anzahl gestiegener Werte / Anzahl gefallener Werte
Typischere Ausprägungen der Marktbreite sind:
- Advance/Decline-Linie (A/D-Linie): Kumulierte Differenz aus steigenden und fallenden Titeln
- New Highs / New Lows: Anzahl der Titel auf 52-Wochen-Hochs vs. -Tiefs
- Prozent über gleitendem Durchschnitt: Anteil der Titel, die über ihrer 200-Tage-Linie notieren
- McClellan-Oszillator: Geglättete Variante der A/D-Differenz
Interpretation
Eine hohe Marktbreite signalisiert, dass die Mehrheit der Titel in Richtung des Trends läuft — dies gilt als gesundes Marktumfeld. Eine geringe Marktbreite bei steigendem Index deutet auf eine Erschöpfung des Trends hin: Wenige Titel ziehen den Markt nach oben, während die Masse bereits dreht.
Faustregel für Bullenmarkt-Bestätigung:
- Mehr als 70 % der S&P-500-Titel über der 200-Tage-Linie → starker Aufwärtstrend
- Weniger als 30 % über der 200-Tage-Linie → Bärenmarkt-Territorium
Divergenzsignale
Divergenzen zwischen Marktbreite und Preisindex sind besonders wertvoll:
Negative Divergenz (Warnsignal): Der Index steigt auf neue Hochs, aber immer weniger Titel nehmen daran teil. Klassisches Beispiel: Vor dem Technologie-Crash 2000 stieg der Nasdaq auf Rekordniveaus, während die A/D-Linie bereits seit Monaten fiel.
Positive Divergenz (Kaufsignal): Der Index fällt auf neue Tiefs, aber die Marktbreite stabilisiert sich oder steigt bereits — häufiges Muster vor Wendepunkten in Bärenmärkten.
Praxisbeispiel DAX
Ein Analyst beobachtet, dass der DAX im März 2025 auf 22.000 Punkte klettert. Gleichzeitig notieren nur 12 von 40 DAX-Werten über ihrer 50-Tage-Linie. Diese enge Marktbreite deutet darauf hin, dass wenige Schwergewichte (z.B. SAP, Siemens) den Index treiben, während die Mehrheit schwächelt — ein Warnsignal für die Nachhaltigkeit des Anstiegs.
Grenzen des Indikators
Die Marktbreite ist ein Vorlauf-Indikator, aber kein Timing-Tool. Divergenzen können Wochen oder Monate bestehen, bevor sie sich auflösen. Kombiniert mit Volumen- und Momentum-Indikatoren liefert sie zuverlässigere Signale.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Signalmuster sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Bitte beachten Sie die Risikohinweise gemäß § 34b WpHG.