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Kostenstruktur-Analyse

Definition

Die Kostenstruktur-Analyse untersucht die Zusammensetzung und das Verhältnis der Kosten eines Unternehmens – insbesondere den Anteil von Fixkosten zu variablen Kosten. Sie gibt Aufschluss über Resilienz, operativen Hebel und Profitabilitätspotenzial.

Was ist die Kostenstruktur-Analyse?

Die Kostenstruktur-Analyse ist ein zentrales Werkzeug der Fundamentalanalyse. Sie untersucht, wie die Gesamtkosten eines Unternehmens aufgebaut sind: Welcher Anteil ist fix – also unabhängig vom Umsatz? Welcher Teil variiert mit dem Geschäftsvolumen?

Diese Unterscheidung ist entscheidend, denn sie bestimmt, wie stark ein Unternehmen auf Umsatzschwankungen reagiert – sowohl nach oben als auch nach unten.

Fixkosten vs. Variable Kosten

Fixkosten fallen unabhängig vom Produktionsvolumen an: Mieten, Abschreibungen, Grundgehälter, Lizenzgebühren. Ein Produktionsstopp senkt diese Kosten kaum.

Variable Kosten steigen proportional mit dem Umsatz: Rohstoffe, Energiekosten, Provisionen, Logistik. Sinkt der Umsatz, sinken auch diese Kosten entsprechend.

Der Operating Leverage (operativer Hebel) beschreibt das Verhältnis: Unternehmen mit hohem Fixkostenanteil profitieren überproportional von Umsatzwachstum – leiden aber auch stärker in Abschwüngen.

Wichtige Kennzahlen der Kostenstruktur-Analyse

  • Bruttomarge: Umsatz minus direkte Produktionskosten – zeigt, wie viel nach Herstellungskosten verbleibt
  • EBIT-Marge: Operativer Gewinn nach allen Betriebskosten
  • SG&A / Umsatz: Vertriebs- und Verwaltungskosten im Verhältnis zum Umsatz
  • Break-even-Punkt: Ab welchem Umsatz wird Gewinn erzielt?
  • Contribution Margin: Deckungsbeitrag je verkaufter Einheit

Anwendung in der Aktienanalyse

Eine günstige Kostenstruktur zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

  1. Skalierbarkeit: Marginales Umsatzwachstum führt zu überproportionalem Gewinnanstieg.
  2. Flexibilität: Hoher variabler Kostenanteil ermöglicht schnelles Downsizing in Krisen.
  3. Effizienz: Sinkende Kostenquoten über Zeit signalisieren operative Verbesserung.

Software-Unternehmen haben typischerweise hohe Fixkosten (Entwicklung) und sehr geringe variable Kosten (Auslieferung). Das führt zu extremem Operating Leverage – und erklärt die hohen Bewertungen in diesem Sektor.

DAX-Beispiele

BASF (WKN: BASF11) als klassisches Chemieunternehmen hat eine rohstoffintensive, stark variable Kostenstruktur – entsprechend volatil reagieren die Margen auf Öl- und Gaspreise. In Boomjahren erzielt BASF hohe Gewinne, in Abschwüngen steigen Verlustrisiken.

Im Kontrast dazu: SAP (WKN: 716460) hat als Softwareunternehmen eine weitgehend fixkostendominierte Struktur. Jede zusätzliche Cloud-Lizenz generiert Umsatz bei nahezu null variablen Kosten – die operative Marge steigt mit dem Wachstum überproportional.

Deutsche Lufthansa (WKN: 823212) zeigt das Risiko hoher Fixkosten eindrücklich: Selbst bei 50 Prozent Kapazitätsauslastung laufen Flottenleasingkosten, Personalkosten und Infrastruktur weiter – ein wesentlicher Grund für die extremen Verluste in der COVID-Krise.


Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionsentscheidungen sollten auf Basis einer umfassenden Analyse und ggf. unter Einbeziehung eines zugelassenen Anlageberaters getroffen werden.

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