Kapitalschutz-Zertifikat
Definition
Ein Kapitalschutz-Zertifikat garantiert die Rückzahlung eines Mindestbetrags (oft 100 % des Nennwerts) bei Fälligkeit und bietet gleichzeitig eine Partizipation an der Wertentwicklung eines Basiswerts. Sicherheit und Renditechance werden kombiniert.
Was ist ein Kapitalschutz-Zertifikat?
Kapitalschutz-Zertifikate (auch: Garantie-Zertifikate) sind strukturierte Produkte, die einen garantierten Mindestrückzahlungsbetrag mit einer Beteiligungschance an steigenden Kursen verbinden. Sie richten sich an risikobewusste Anleger, die Verluste begrenzen, aber an Marktaufschwüngen teilhaben wollen.
Konstruktion
Ein Kapitalschutz-Zertifikat besteht aus zwei Komponenten:
- Nullkuponanleihe: Sichert die Kapitalgarantie. Mit dem Emissionserlös kauft die Bank eine Anleihe, die bei Fälligkeit den Nennwert sichert.
- Call-Option: Mit dem verbleibenden Betrag wird eine (oft Long-Dated oder exotische) Call-Option gekauft, die die Aufwärtsbeteiligung ermöglicht.
Beispiel: Kapital 100 €, Zinssatz 3 %, Laufzeit 5 Jahre. Barwert der Garantie: 100 / (1,03)⁵ ≈ 86 €. Verbleibend für Option: 14 €.
Partizipationsrate
Je höher der Zinssatz, desto mehr Geld steht für die Option zur Verfügung — und desto höher die Partizipationsrate. In Niedrigzinsphasen (2015–2022) waren nur Partizipationsraten von 50–70 % realisierbar.
Risiken trotz Kapitalschutz
- Emittentenrisiko: Der Kapitalschutz gilt nur wenn der Emittent (Bank) zahlungsfähig bleibt. Bei Lehman Brothers-Zertifikaten 2008 verloren Anleger trotz „Garantie“ Geld.
- Inflationsrisiko: 100 € in 5 Jahren sind weniger wert als heute.
- Liquiditätsprämie: Im Sekundärmarkt können Kurse unter 100 liegen.
- Opportunity Costs: Geringere Rendite als Direktinvestment bei starkem Anstieg.
Varianten
- Kapitalschutz mit Bonus: Fester Bonusertrag plus Aufwärtsbeteiligung
- Kapitalschutz mit Cliquet: Jährliche Gewinne einrasten (→ Cliquet-Option)
- Teilkapitalschutz: Nur 90 % oder 80 % gesichert, höhere Partizipation
Regulatorische Aspekte
Kapitalschutz-Zertifikate unterliegen in Deutschland der Transparenzpflicht nach PRIIP-Verordnung. Das Key Information Document (KID) muss Kosten, Szenarien und Risikoklasse ausweisen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information. Er stellt keine Anlageberatung dar. § 34 WpHG: Bei Anlageentscheidungen Prospekt und KID beachten.