Floor (Zinsuntergrenze): Mindestrendite bei Floatern sichern
Definition
Ein Floor ist ein Zinsderivat, das dem Käufer garantiert, dass der zu empfangende variable Zinssatz eine Mindestgrenze (Floor-Rate) nicht unterschreitet — Anleger mit Floating-Rate-Investments nutzen Floors zur Absicherung gegen sinkende Zinsen.
Was ist ein Floor?
Ein Floor (Zinsuntergrenze) ist das Gegenstück zum Cap: Während der Cap den Zinssatz nach oben begrenzt, sichert der Floor eine Mindestrendite auf variable Zinszahlungen. Der Käufer eines Floors erhält eine Ausgleichszahlung, wenn der Referenzzins die vereinbarte Floor-Rate unterschreitet.
Vergleich mit dem Cap
Cap und Floor sind spiegelbildliche Instrumente: Der Cap schützt den Zinszahler (Kreditnehmer) gegen steigende Zinsen. Der Floor schützt den Zinsempfänger (Investor, Kreditgeber) gegen sinkende Zinsen. Beide bestehen aus einer Serie von Einzeloptionen: Bei Caps sind es Caplets, bei Floors entsprechend Floorlets — jeweils für eine spezifische Zinsperiode.
Floorlet-Struktur
Ein 3-jähriger Floor auf EURIBOR 6M mit halbjährlicher Abrechnung besteht aus sechs Floorlets. Jedes Floorlet greift, wenn der EURIBOR zum jeweiligen Feststellungstermin unter die Floor-Rate fällt. Die Gesamtprämie ergibt sich aus der Summe aller Floorlet-Barwerte und hängt wesentlich von der Zinsvolatilität und dem Abstand zwischen aktuellem Zins und Floor-Rate ab.
Kombination zum Collar
Werden Cap und Floor kombiniert, entsteht ein Collar (Zinsband): Der Anleger oder Kreditnehmer bewegt sich in einer definierten Zinsspanne. Ein Zinsempfänger kauft einen Floor (Absicherung nach unten) und verkauft gleichzeitig einen Cap (Prämieneinnahme, Begrenzung nach oben). Damit reduziert er die Nettoprämie erheblich — zahlt dafür aber auf Partizipation an weiter steigenden Zinsen.
Wann sind Floors attraktiv?
Floors sind besonders relevant in einem Zinssenkungsumfeld oder wenn ein Zinsrückgang erwartet wird. Institutionelle Investoren mit großen Floater-Portfolios nutzen Floors, um Mindestrenditen für ihre Verpflichtungsseite (Garantiezinsen, Deckungsstock) sicherzustellen. Auch in negativen Zinsperioden (2015–2022 im Euroraum) wurden Floors intensiv zur Absicherung eingesetzt.
Praxisbeispiel: Pensionskasse
Eine Pensionskasse hält ein Floater-Portfolio im Wert von 200 Mio. Euro (EURIBOR 3M + 50 bp). Bei einer Floor-Rate von 2,00 % kauft sie einen 5-jährigen Floor. Sinkt der EURIBOR auf 1,20 %, erhält sie 0,80 % × 200 Mio. × (Tage/360) als Ausgleich — ihre effektive Rendite bleibt mindestens bei 2,50 % p.a., unabhängig vom Zinsniveau.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Derivate sind komplexe Instrumente mit Verlustrisiken.