ETF-Spread (Geld-Brief-Spanne)
Definition
Der ETF-Spread ist die Differenz zwischen dem Geldkurs (Kaufpreis) und dem Briefkurs (Verkaufspreis) eines ETFs an der Börse. Er stellt eine Transaktionskosten-Komponente dar, die oft unterschätzt wird – besonders bei illiquiden ETFs oder in volatilen Marktphasen.
Was ist der ETF-Spread?
Wenn ein Anleger einen ETF an der Börse kauft oder verkauft, existieren stets zwei Preise: der Geldkurs (Bid), zu dem Market Maker kaufen, und der Briefkurs (Ask), zu dem sie verkaufen. Die Differenz zwischen diesen beiden Kursen ist der Spread – auch Geld-Brief-Spanne genannt.
Spread = Briefkurs (Ask) − Geldkurs (Bid)
Wer einen ETF kauft, zahlt den Briefkurs; wer verkauft, erhält den Geldkurs. Der Spread stellt damit sofort eine Kostenwirkung dar: Ein Hin-und-Her-Handel kostet den Anleger mindestens einmal den vollen Spread.
Wie groß ist der ETF-Spread typischerweise?
Die Spreadhöhe variiert stark je nach ETF:
| ETF-Typ | Typischer Spread |
|---|---|
| Große MSCI-World-ETFs (DAX, S&P 500) | 0,01 – 0,05 % |
| EM-ETFs, Nischen-ETFs | 0,05 – 0,30 % |
| Small-Cap- oder exotische ETFs | 0,30 % und mehr |
| In volatilen Marktphasen | Deutlich erhöht, 2–5× normal |
Einflussfaktoren auf den Spread
Mehrere Faktoren bestimmen, wie eng oder weit der Spread eines ETF ist:
- Liquidität des Basiswerts: Ein ETF auf den S&P 500 (hochliquide US-Aktien) hat niedrigere Spreads als ein ETF auf Frontier-Markets-Anleihen
- Handelsvolumen des ETF selbst: Höheres Tagesvolumen → mehr Market Maker → engerer Spread
- Marktvolatilität: In Krisenphasen (z.B. März 2020) weiten sich Spreads deutlich aus
- Handelszeit: Zu Handelsbeginn und -schluss sowie bei geschlossenen US-Börsen (für US-ETFs in Deutschland) sind Spreads tendenziell weiter
Bedeutung für ETF-Anleger
Der Spread ist besonders relevant für:
- Kurzfristige Trader: Wer häufig kauft und verkauft, zahlt den Spread mehrfach – das summiert sich
- Langfrist-Anleger mit Sparplan: Monatliche Sparplanausführungen zu günstigeren Zeiten (10:00–16:00 Uhr MEZ) können den Spread-Effekt minimieren
- Große Einmalanleger: Bei hohen Beträgen kann ein 0,10 % Spread auf 50.000 € immerhin 50 € Mehrkosten bedeuten
Praktische Tipps
- ETFs nicht zu Marktöffnung oder -schluss handeln (breiteste Spreads)
- Limit-Orders statt Market-Orders verwenden, um den Kurs zu kontrollieren
- Primärbörse des ETF bevorzugen (z.B. XETRA für europäische ETFs), nicht Nebenbörsen
- Spread als Teil der Gesamtkostenrechnung berücksichtigen: TER + Spread + ggf. Ordergebühren
Praxisbeispiel
Ein Anleger kauft einen MSCI-World-ETF im Wert von 10.000 €. Briefkurs: 100,05 €, Geldkurs: 99,95 €. Der Spread beträgt 0,10 % = 10 €. Zusätzlich fallen Ordergebühren von 5 € an. Gesamte Einstiegskosten: 15 € – deutlich mehr als die TER von 0,20 % p.a., die auf das Jahr verteilt werden.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in ETFs sind mit Risiken verbunden. Bitte beachten Sie die Informationen gemäß § 34 WpHG.