Post-Earnings-Announcement-Drift (PEAD)
Definition
PEAD bezeichnet die empirisch belegte Tendenz, dass Aktien nach einer Quartalsberichtssaison noch Wochen bis Monate in Richtung der Überraschung driften — positive Überraschungen steigen weiter, negative fallen weiter.
Post-Earnings-Announcement-Drift (PEAD)
Was ist PEAD?
Ball und Brown dokumentierten 1968 erstmals, dass Aktienmärkte nicht sofort vollständig auf Gewinn-Überraschungen reagieren. Auch Wochen nach einem Quartalsbericht driften Aktien noch in die Richtung der Überraschung — ein direkter Widerspruch zur Markteffizienz-Hypothese.
Standardized Unexpected Earnings (SUE)
SUE = (Tatsächlicher EPS − Analyst-Konsensschätzung) / Standardabweichung
Dezil 1 (größte negative Überraschung) → stärkster Drift nach unten
Dezil 10 (größte positive Überraschung) → stärkster Drift nach oben
Empirische Evidenz (S&P 500, 1985–2023)
| SUE-Dezil | 0–3 Monate nach Report | 3–6 Monate |
|---|---|---|
| Dezil 10 (Beat) | +4,8 % vs. Markt | +2,1 % |
| Dezil 5 (In-Line) | +0,1 % | +0,0 % |
| Dezil 1 (Miss) | −4,6 % | −1,9 % |
Ursachen
- Underreaction: Anleger verarbeiten neue Informationen zu langsam
- Analyst-Revision-Trägheit: Analysten passen Schätzungen schrittweise an (Analyst Revision Momentum)
- Institutionelle Constraints: Fondsmanager können nicht sofort bei allen Aktien reagieren
Trading-Strategie: EPS-Momentum
Signal: Kauf nach starker positiver Überraschung (SUE Dezil 10)
Verkauf/Short nach negativer Überraschung (SUE Dezil 1)
Haltedauer: 1–3 Monate
Exit: Vor nächstem Quartalsbericht
Risiken
- Earnings-Stimmung kann durch Guidance überschattet werden
- Sektor-spezifische Interpretationen (Technologie vs. Zykliker)
- Marktphasen: In Haussen dominiert Gesamtmarkt den PEAD-Effekt
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information. Keine Anlageberatung gemäß §34 WpHG.
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