Zum Hauptinhalt springen
Zurück zum Lexikon

Disposition Effect — Gewinner verkaufen, Verlierer halten

Definition

Der Disposition Effect beschreibt das verbreitete Anlegermuster, Gewinneraktien zu früh zu verkaufen und Verlustpositionen zu lange zu halten — eine direkte Folge von Verlustaversion und mentaler Buchführung.

Definition

Der Disposition Effect wurde 1985 von Hersh Shefrin und Meir Statman beschrieben. Er bezeichnet die systematische Tendenz von Anlegern, Aktien mit Kursgewinn zu schnell zu realisieren ('Gewinne mitnehmen') und Aktien mit Kursverlust zu lange im Depot zu belassen ('auf Erholung hoffen').

Psychologische Grundlage

Aus der Prospect Theory ergibt sich: Im Gewinnbereich verhält sich der Anleger risikoscheu (lieber sicherer kleiner Gewinn als unsicherer größerer). Im Verlustbereich dagegen risikofreudig (lieber Chance auf Erholung als sicherer realisierter Verlust). Dieses asymmetrische Risikoverhalten ist irrational.

Empirische Belege

Terrance Odean analysierte 1998 die Depots von 10.000 US-Privatanlegern: Verkaufte Gewinner stiegen im Folgejahr im Schnitt 3,4 % mehr als der Markt. Gehaltene Verlierer entwickelten sich 3,4 % schlechter. Der Disposition Effect kostete die Anleger also doppelt.

Steuerlicher Aspekt

Interessanterweise ist der Disposition Effect in Deutschland steuerlich oft kontraproduktiv: Verluste sollten zur Steueroptimierung realisiert werden (Verlustverrechnung), während Gewinne steuergünstig länger gehalten werden könnten — das Gegenteil des beobachteten Verhaltens.

Lösung: Regelbasierter Ansatz

Stop-Loss-Orders, regelmäßiges Rebalancing und das Entkoppeln der Verkaufsentscheidung vom Einstandskurs helfen, den Disposition Effect zu überwinden.

Verwandte Begriffe

  • Verlustaversion
  • Prospect Theory
  • Mental Accounting

Dieser Eintrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Bitte konsultieren Sie bei Anlageentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater.

Disposition EffectBehavioral FinanceVerlustaversionProspect TheoryOdeanAnlegerpsychologie