Ausfallrate (Default Rate)
Definition
Die Ausfallrate (Default Rate) gibt den prozentualen Anteil der Anleiheemittenten oder Kreditnehmer an, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Sie ist ein zentrales Risikomaß im Kreditmarkt.
Definition und Bedeutung
Die Ausfallrate (Default Rate) misst, wie viele Schuldner – Unternehmen, Staaten oder Privatpersonen – innerhalb eines definierten Zeitfensters (typischerweise ein Jahr) ihre Zins- oder Tilgungszahlungen nicht mehr leisten können oder wollen. Sie gilt als Kernkennzahl für Kreditrisiken und wird von Ratingagenturen, Kreditgebern und Investoren intensiv verfolgt.
Berechnung
Die gebräuchlichste Methode ist die issuer-weighted default rate:
Default Rate = (Anzahl ausgefallener Emittenten im Zeitraum) / (Gesamtzahl aktiver Emittenten zu Beginn) × 100
Alternativ gibt es die volume-weighted default rate, bei der das ausstehende Nominalvolumen der ausgefallenen Anleihen ins Verhältnis zum Gesamtvolumen gesetzt wird – diese Methode ist sensibler gegenüber großen Einzelausfällen.
Unterschied nach Ratingklassen
Ratingagenturen wie Moody's, S&P und Fitch veröffentlichen historische Ausfallraten getrennt nach Bonitätsstufen:
- Investment Grade (BBB– und besser): Historisch unter 0,5 % p. a.
- High Yield / Junk Bonds (BB und schlechter): Typischerweise 2–5 % p. a. im Normalumfeld
- CCC/C-Rating: Kann in Stressphasen 20–30 % übersteigen
Diese Spreizung rechtfertigt die höheren Risikoprämien (Credit Spreads) im Hochzinssegment.
Konjunkturelle Abhängigkeit
Ausfallraten sind stark zyklisch. In Rezessionsphasen – etwa 2001/02 (Dotcom-Crash), 2008/09 (Finanzkrise) oder 2020 (COVID-Schock) – schnellen die globalen High-Yield-Ausfallraten auf 10–15 % hoch. In Boomphasen mit günstigem Refinanzierungsumfeld sinken sie teils unter 1 %. Für Anleiheinvestoren ist es daher wichtig, zwischen trailing default rates (rückblickend) und expected default rates (modellbasiert vorwärtsschauend) zu unterscheiden.
Relevanz für die Portfoliostrategie
Die Ausfallrate ist ein wesentlicher Parameter bei der Bewertung von:
- High-Yield-Fonds und ETFs: Manager vergleichen realisierte gegen erwartete Ausfälle
- CLOs (Collateralized Loan Obligations): Ausfallraten bestimmen die Tranchenverluste
- Credit Default Swaps (CDS): Marktimplizite Ausfallwahrscheinlichkeiten lassen sich aus CDS-Spreads ableiten
Eine steigende Ausfallrate signalisiert typischerweise Stress im Unternehmenssektor und kann als Frühindikator für breitere wirtschaftliche Schwäche dienen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Anleihen sind mit Risiken verbunden. Bitte beachten Sie die Risikohinweise gemäß § 34b WpHG.