Crowdinvesting
Definition
Crowdinvesting bezeichnet die Beteiligung vieler Kleinanleger über Online-Plattformen an Unternehmen, Immobilien oder Projekten gegen eine Rendite. Im Gegensatz zu klassischen Anlageformen ermöglicht Crowdinvesting bereits ab kleinen Beträgen eine direkte Investition in nicht-börsennotierte Firmen.
Was ist Crowdinvesting?
Crowdinvesting (auch: Equity Crowdfunding) ist eine Form der Schwarmfinanzierung, bei der viele Einzelpersonen gemeinsam Kapital in ein Unternehmen, ein Immobilienprojekt oder ein Start-up investieren. Im Unterschied zum Crowdfunding erhalten die Investoren dabei keine Gegenleistung in Form von Produkten oder Prämien, sondern eine wirtschaftliche Beteiligung am Unternehmenserfolg.
Wie funktioniert Crowdinvesting?
Die Abwicklung erfolgt über spezialisierte Online-Plattformen wie Seedmatch, Companisto oder Exporo. Ein Unternehmen oder Projektentwickler stellt sein Vorhaben auf der Plattform vor und gibt ein Mindest- sowie ein Maximalfinanzierungsziel an. Anleger können dann ab meist 250 bis 500 Euro investieren.
Die Beteiligung erfolgt häufig als partiarisches Nachrangdarlehen: Der Investor leiht dem Unternehmen Geld und erhält dafür einen Zinssatz plus eine erfolgsabhängige Komponente. Bei echtem Equity Crowdfunding werden stille Beteiligungen oder Genussrechte ausgegeben.
Regulierung in Deutschland
In Deutschland unterliegt Crowdinvesting dem Kleinanlegerschutzgesetz (seit 2015) und der EU-Verordnung 2020/1503 über europäische Schwarmfinanzierungsdienstleister (ECSP-VO). Plattformen benötigen eine Zulassung durch die BaFin. Für Investments bis 1.000 Euro je Plattform und Projekt besteht keine Prospektpflicht; darüber hinaus ist ein vereinfachtes Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) vorgeschrieben.
Chancen und Risiken
Chancen:
- Zugang zu Investitionen in frühe Unternehmensphasen oder Immobilien
- Renditen von oft 5–12 % p.a. möglich
- Diversifikation durch viele kleine Einzelinvestments
- Niedrige Einstiegsbeträge
Risiken:
- Totalverlustrisiko, da Nachrangdarlehen im Insolvenzfall nachrangig bedient werden
- Geringe Liquidität: Investments sind meist illiquide bis zur Endfälligkeit
- Plattformrisiko: Insolvenz der Plattform kann Prozesse verzögern
- Intransparenz bei nicht-börsennotierten Unternehmen
Praxisbeispiel
Ein Münchner PropTech-Start-up sammelt über Seedmatch 500.000 Euro von 800 Kleinanlegern. Jeder Investor erhält ein partiarisches Darlehen mit 6 % Fixzins plus 0,5 % Gewinnbeteiligung. Nach fünf Jahren wird das Darlehen zurückgezahlt – vorausgesetzt, das Unternehmen ist noch zahlungsfähig.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Crowdinvesting-Projekte sind mit erheblichen Risiken verbunden, einschließlich des Totalverlusts. Gemäß § 34 WpHG wird darauf hingewiesen, dass der Autor keine persönlichen Empfehlungen ausspricht.