Collar Strategie mit Optionen
Definition
Die Collar-Strategie kombiniert einen Protective Put zur Absicherung nach unten mit einem Covered Call zur Kostenreduzierung. Sie begrenzt sowohl das Verlustrisiko als auch das Gewinnpotenzial einer Aktienposition.
Was ist eine Collar-Strategie?
Die Collar-Strategie (auch: Risk Reversal) ist eine Optionskombination, die typischerweise auf eine bestehende Aktienposition aufgesetzt wird. Der Anleger kauft einen Out-of-the-Money Put zur Absicherung und verkauft gleichzeitig einen Out-of-the-Money Call, dessen Prämie die Put-Kosten ganz oder teilweise finanziert.
Aufbau einer Collar-Position
Ein Beispiel: Anleger A hält 100 Siemens-Aktien zu je 175 €.
- Kaufe: 1 Put, Strike 165 €, Prämie 3,50 € (Absicherung ab 5,7 % Verlust)
- Verkaufe: 1 Call, Strike 190 €, Prämie 3,20 € (Gewinndeckel bei +8,6 %)
- Netto-Kosten: 0,30 € pro Aktie = 30 € für 100 Aktien
Das Gewinn-/Verlust-Profil ist damit auf den Korridor [165 €, 190 €] eingeschränkt.
Maximaler Gewinn und Verlust
| Kennzahl | Formel | Beispiel |
|---|---|---|
| Max. Gewinn | Strike Call − Aktienkauf + Netto-Prämie | 190 − 175 − 0,30 = 14,70 € |
| Max. Verlust | Strike Put − Aktienkauf + Netto-Prämie | 165 − 175 − 0,30 = −10,30 € |
| Break-even | Einstiegskurs + Netto-Prämie | 175 + 0,30 = 175,30 € |
Zero-Cost Collar
Beim Zero-Cost Collar werden Strike-Preise so gewählt, dass Put-Kosten und Call-Prämie sich exakt aufheben. Netto-Kosten = 0 €, erkauft durch einen engeren Gewinnkorridor.
Wann eignet sich die Strategie?
- Kurz vor Quartalsergebnissen: Schutz vor Kursabsturz, ohne Position zu verkaufen
- Steuermotiviert: Position soll ins nächste Jahr verschoben werden
- Institutionell: Große Aktienpakete absichern ohne Marktimpakt
- Mitarbeiteraktien: Konzentrationrisiko reduzieren ohne Veräußerung
Risiken und Nachteile
- Begrenztes Upside: Steigt die Aktie über den Call-Strike, partizipiert man nicht mehr
- Assignment-Risiko: Der Short Call kann frühzeitig ausgeübt werden (amerikanische Optionen)
- Transaktionskosten: Zwei Optionspositionen erzeugen doppelte Spreads und Gebühren
- Komplexität beim Rollen: Bei Fälligkeit müssen beide Seiten gleichzeitig gerollt werden
Vergleich mit Protective Put
Im Gegensatz zum reinen Protective Put entstehen beim Collar kaum Netto-Kosten, da der Covered Call die Put-Prämie finanziert. Der Preis dafür ist der Verzicht auf Kursgewinne oberhalb des Call-Strikes.
Praktische Tipps
- Wähle Strikes mit gleichem Abstand zum aktuellen Kurs (z. B. ±5 % oder ±8 %)
- Laufzeiten von 30–60 Tagen sind üblich (optimale Theta-Exposition)
- Implizite Volatilität vor Earnings oft erhöht → Put teurer, Call wertvoller → günstigerer Zero-Cost Collar möglich
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Gemäß §34 WpHG wird darauf hingewiesen, dass der Autor Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten kann.