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Accretion/Dilution-Analyse bei M&A

Definition

Die Accretion/Dilution-Analyse prüft bei einer Unternehmensübernahme, ob der Gewinn je Aktie (EPS) des Käufers steigt (accretive) oder sinkt (dilutive). Sie ist ein Standardtest in der Investment-Banking-Praxis.

Was ist Accretion/Dilution?

Bei jeder M&A-Transaktion stellt sich die Frage: Profitiert der Käufer-Aktionär? Die Accretion/Dilution-Analyse beantwortet diese Frage durch Vergleich des Pro-forma-EPS nach dem Deal mit dem Stand-alone-EPS vor dem Deal.

  • Accretive (wertsteigernd): Pro-forma EPS > Stand-alone EPS → Zustimmung der Aktionäre wahrscheinlich
  • Dilutive (verwässernd): Pro-forma EPS < Stand-alone EPS → Erklärungsbedarf gegenüber Aktionären

Wann ist ein Deal accretive?

Die mathematischen Bedingungen für Accretion:

Bei Barangebot: Deal ist accretive wenn die Nachsteuer-Rendite der Zielgesellschaft (Gewinn / Kaufpreis) über den Fremdkapitalkosten liegt.

Bei Aktientausch: Deal ist accretive wenn das KGV der Zielgesellschaft unter dem KGV des Käufers liegt.

EPS-Accretion = (Zielgewinn + Synergien − Kosten) / Neue Aktienanzahl − EPS_vorher

Schritt-für-Schritt-Rechnung

Szenario: Unternehmen A (Käufer) übernimmt Unternehmen B:

KennzahlKäufer AZiel B
Nettogewinn500 Mio. €80 Mio. €
Aktien200 Mio.100 Mio.
EPS2,50 €0,80 €
Kurs40 €12 €
KGV16×15×

Deal-Struktur: Kaufpreis 14 € je Aktie (17 % Prämie), finanziert durch Ausgabe neuer Aktien zu 40 €.

Neue Aktien: 100 Mio. × 14 / 40 = 35 Mio. neue Aktien

Pro-forma Analyse:

  • Kombinierter Gewinn: 500 + 80 = 580 Mio. € (ohne Synergien zunächst)
    • Synergien (angenommen): 20 Mio. €
  • − PPA Amortisation: −8 Mio. €
  • Bereinigter Nettogewinn: 592 Mio. €
  • Neue Aktienanzahl: 200 + 35 = 235 Mio.
  • Pro-forma EPS: 592 / 235 = 2,52 €

Vergleich: Stand-alone EPS = 2,50 € → +0,02 € = +0,8 % accretive

Einflussfaktoren

Accretion-Treiber:

  • Günstige Bewertung der Zielgesellschaft (niedriges KGV)
  • Hohe Synergien
  • Günstige Fremdfinanzierung (niedriger Zinssatz)
  • Aktienrückkäufe nach der Transaktion

Dilution-Treiber:

  • Hohe Übernahmeprämie
  • Niedrige oder negative Synergien
  • Ausgabe vieler neuer Aktien
  • Hohe Transaktionskosten und Restrukturierungskosten

Grenzen der Analyse

Accretion/Dilution ist ein kurzfristiger EPS-Test — er ignoriert langfristige Wertschöpfung, Bilanzrisiken und strategische Optionalität. Ein Deal kann kurzfristig dilutiv sein und langfristig enormen Wert schaffen (z. B. viele Tech-Übernahmen). Daher immer kombinieren mit DCF-Analyse und strategischer Rationale.

Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Gemäß §34 WpHG wird darauf hingewiesen, dass der Autor Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten kann.

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